Mit 93 Jahren zum Doktorat: Eugen Gross feiert Promotion an der TU Graz
en-GBde-DEes-ESfr-FR

Mit 93 Jahren zum Doktorat: Eugen Gross feiert Promotion an der TU Graz

26/06/2026 TU Graz

Der 1933 geborene Architekt ist nach Auskunft des Wissenschaftsministeriums der älteste dokumentierte Promovend Österreichs.

An der TU Graz wird in diesen Tagen ein außergewöhnliches Kapitel universitärer Geschichte geschrieben: Der Grazer Architekt, Architekturtheoretiker, Autor und Hochschullehrer Eugen Gross schließt im Alter von 93 Jahren erfolgreich sein Doktoratsstudium ab. Laut Wissenschaftsministerium ist er damit der älteste seit dem Jahr 2000 österreichweit dokumentierte Promovend. Für frühere Zeiträume liegen keine vollständig auswertbaren Daten vor. An der TU Graz ist er jedenfalls der älteste Promovend in der Geschichte der Universität und setzt ein eindrucksvolles Zeichen für wissenschaftliche Neugier und lebenslanges Lernen.

„Die Promotion von Eugen Gross ist eine außergewöhnliche persönliche Leistung und zugleich eine Inspiration für unsere gesamte Universitätsgemeinschaft“, betont Horst Bischof, Rektor der TU Graz. „Sein Lebensweg zeigt eindrucksvoll, dass wissenschaftliche Neugier, Kreativität und der Wille zur Erkenntnis keine Altersgrenzen kennen. Ich gratuliere Herrn Gross von Herzen.“

Mitgründer der „Werkgruppe Graz“

Über Generationen hinweg prägte der 1933 in Bielitz-Biala in Ostschlesien geborene Eugen Gross die österreichische Architektur- und Planungskultur. Gemeinsam mit den Architekten Friedrich Groß-Rannsbach, Werner Hollomey und Hermann Pichler gründete er die „Werkgruppe Graz“ und schuf einige der wichtigsten Bauwerke der österreichischen Nachkriegsmoderne. Die Werkgruppe realisierte in drei Jahrzehnten mehr als 100 Projekte im In- und Ausland. Zu den bekanntesten zählen die Terrassenhaussiedlung Graz-St. Peter, das Studentenheim Hafnerriegel, das Studentenhaus Leechgasse/Sonnenfelsplatz, die Erste Chirurgische Universitätsklinik am LKH Graz sowie das vielfach ausgezeichnete Druckzentrum der Styria in Graz-Messendorf.

Die akademische Laufbahn von Eugen Gross begann bereits vor nahezu sieben Jahrzehnten. Nach seinem Architekturstudium an der Technischen Hochschule Graz, der heutigen TU Graz, graduierte er 1958 zum Diplomingenieur für Architektur. Kurz darauf wurde er Assistent des Architekten und Raumplaners Hubert Hoffmann und widmete sich viele Jahre lang der Lehre und Forschung an der TU Graz.

Freude an der Wissenschaft kennt kein Alter

Sein Doktoratsstudium nahm Eugen Gross im Wintersemester 2023 auf und absolvierte es in Mindestzeit. „Der entscheidende Grund für das Doktorat ist die Freude, die ich an wissenschaftlicher Arbeit habe“, sagt Gross. „Auch mit 93 Jahren möchte ich einen Beitrag zur wissenschaftlichen Entwicklung leisten und die Erfahrungen aus mehr als 60 Jahren Berufspraxis als Architekt in die Diskussion über Architektur einbringen.“

In seiner Dissertation „ARCHAEA URBANA – Die städtebauliche Utopie als virtuelle Stadtgründung, dargestellt an der Wechselwirkung von Insel und Struktur“ untersucht Gross utopische Stadtentwürfe als „virtuelle Stadtgründungen“. Ausgangspunkt ist seine jahrzehntelange Beschäftigung mit städtebaulichen Utopien, die bis zu seinem 1968 veröffentlichten Text „Die Wirklichkeit der Utopie im Städtebau“ zurückreicht. In seiner Dissertation entwickelt Gross das sogenannte „Prinzip der doppelten Umkehr“. Es beschreibt Architekturwahrnehmung als einen wechselseitigen Prozess von Raum und Zeit, bei dem Brüche und Perspektivwechsel architektonische Qualität sichtbar machen. Dieses Modell wendet er unter anderem auf die Terrassenhaussiedlung in Graz-St. Peter an. „Ein Bau ist mit seiner Fertigstellung nicht vollendet, sondern wird vom Betrachter und Nutzer immer wieder neu geschaffen“, sagt Gross. „Diese Sichtweise hat mich auch in meiner wissenschaftlichen Arbeit begleitet.“ Betreut wurde seine Dissertation von Anselm Wagner vom Institut für Architekturtheorie, Kunst- und Kulturwissenschaften der TU Graz.

Neben seiner Tätigkeit als Architekt wirkte Eugen Gross als Architekturtheoretiker, Juror, Ausstellungsmacher, Autor und Hochschullehrer. Er lehrte unter anderem an der Washington University in St. Louis sowie an der Ortweinschule Graz, als Gastkritiker war er an internationalen Universitäten tätig. Seine Publikationen und Beiträge zur Architekturdebatte prägten die Entwicklung der österreichischen Architektur über Jahrzehnte.

Attached files
  • TU Graz-Rektor Horst Bischof, Promovend Eugen Gross, Promotor Franz Teschl, Doktorvater Anselm Wagner. Bildquelle: Lunghammer - TU Graz
  • Eugen Gross mit seiner Doktoratsurkunde. Bildquelle: Lunghammer - TU Graz
  • Eugen Gross bei seinem Gelöbnis. Bildquelle: Lunghammer - TU Graz
26/06/2026 TU Graz
Regions: Europe, Austria
Keywords: Applied science, People in technology & industry, Science, People in science

Disclaimer: AlphaGalileo is not responsible for the accuracy of content posted to AlphaGalileo by contributing institutions or for the use of any information through the AlphaGalileo system.

Testimonials

For well over a decade, in my capacity as a researcher, broadcaster, and producer, I have relied heavily on Alphagalileo.
All of my work trips have been planned around stories that I've found on this site.
The under embargo section allows us to plan ahead and the news releases enable us to find key experts.
Going through the tailored daily updates is the best way to start the day. It's such a critical service for me and many of my colleagues.
Koula Bouloukos, Senior manager, Editorial & Production Underknown
We have used AlphaGalileo since its foundation but frankly we need it more than ever now to ensure our research news is heard across Europe, Asia and North America. As one of the UK’s leading research universities we want to continue to work with other outstanding researchers in Europe. AlphaGalileo helps us to continue to bring our research story to them and the rest of the world.
Peter Dunn, Director of Press and Media Relations at the University of Warwick
AlphaGalileo has helped us more than double our reach at SciDev.Net. The service has enabled our journalists around the world to reach the mainstream media with articles about the impact of science on people in low- and middle-income countries, leading to big increases in the number of SciDev.Net articles that have been republished.
Ben Deighton, SciDevNet

We Work Closely With...


  • The Research Council of Norway
  • SciDevNet
  • Swiss National Science Foundation
  • iesResearch
Copyright 2026 by AlphaGalileo Terms Of Use Privacy Statement