Von Haustieren bis Zoos – Wie Studierende Tierhaltung wahrnehmen: Studie der Goethe-Universität zeigt unterschiedliche Akzeptanz und Kommunikationsbedarf
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Von Haustieren bis Zoos – Wie Studierende Tierhaltung wahrnehmen: Studie der Goethe-Universität zeigt unterschiedliche Akzeptanz und Kommunikationsbedarf


Tiere erfüllen in der menschlichen Gesellschaft zahlreiche Funktionen. Sie dienen der Ernährung, werden in der Forschung eingesetzt, begleiten Menschen als Haustiere oder tragen im Zoo zu Bildung, Forschung, Artenschutz und Unterhaltung bei. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Bedingungen, unter denen Tiere gehalten werden. Obwohl für nahezu alle Formen der Tierhaltung gesetzliche Vorgaben und Kontrollmechanismen bestehen, werden die einzelnen Haltungsformen sehr unterschiedlich in der Bevölkerung wahrgenommen.

Im Rahmen einer Studie an der Goethe-Universität Frankfurt wurde untersucht, wie Studierende verschiedene Arten der Tierhaltung bewerten: konventionelle Nutztierhaltung, ökologische Nutztierhaltung, Zootierhaltung, Labortierhaltung und Haustierhaltung. „Bisherige Studien widmen sich nur einzelnen Bereichen wie Nutztierhaltung oder Zoos“, erklärt Erstautorin Raya Wolf von der Abteilung Didaktik der Biowissenschaften und Zootierbiologie. „Eine Untersuchung, die die Wahrnehmung verschiedener Formen der Tierhaltung direkt miteinander vergleicht, hat bislang gefehlt“, so Wolf weiter.

Für die Studie wurden 1143 Studierende der Goethe-Universität Frankfurt befragt. Die Teilnehmenden, die unterschiedliche Fächer studieren, sollten angeben, wie groß ihre Bedenken gegenüber den verschiedenen Haltungsformen sind. Dabei zeigte sich ein deutliches Muster: Konventionelle Nutztierhaltung, Labortierhaltung und insbesondere Zootierhaltung wurden kritisch bewertet. Haustierhaltung und ökologische Nutztierhaltung schnitten deutlich positiver ab. „Besonders interessant war für uns, dass die Zootierhaltung von den Befragten sogar noch etwas kritischer gesehen wurde als die konventionelle Nutztierhaltung“, so Prof. Paul Dierkes, Leiter der Abteilung Didaktik der Biowissenschaften und Zootierbiologie. Die Haltung von Tieren in Zoos wurde am negativsten bewertet. Gründe dafür wurden in der Studie zwar nicht direkt abgefragt. Die Forschenden vermuten jedoch, dass viele Menschen Zoos vor allem mit Unterhaltung verbinden und weniger mit Artenschutz oder Bildungsarbeit. Auch emotional aufgeladene Debatten in sozialen Medien könnten die Wahrnehmung beeinflusst haben.

Die Ergebnisse zeigen zudem deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Personengruppen. Weibliche Studierende äußern bei fast allen Formen der Tierhaltung größere Bedenken als ihre männlichen Kommilitonen. Am stärksten ausgeprägt war dieser Unterschied bei der Labortierhaltung. Lediglich bei der Haustierhaltung unterschieden sich die Bewertungen von Männern und Frauen kaum. Auch mit der Ernährungsweise gibt es einen erheblichen Zusammenhang: Wer vegetarisch oder vegan lebt, bewertet nahezu alle Formen der Tierhaltung kritischer als omnivor lebende Kommilitonen. Hinsichtlich der konventionellen Nutztierhaltung gingen die Meinungen dieser Personengruppen besonders weit auseinander. Veganerinnen und Veganer äußerten insgesamt die stärksten Bedenken gegen Tierhaltung im Allgemeinen.

Die Studie macht auch deutlich, dass zwischen der Wahrnehmung von Tierhaltung durch die (studentische) Bevölkerung und den tatsächlichen Haltungsbedingungen erhebliche Unterschiede bestehen können. So wird ökologische Nutztierhaltung deutlich positiver bewertet, obwohl sich die realen Unterschiede zur konventionellen Tierhaltung häufig in Grenzen halten, wie die EU-Öko-Verordnung zeigt. „Viele Menschen verbinden mit dem Begriff ‚Bio‘ automatisch deutlich bessere Lebensbedingungen für Tiere“, erklärt Studienautor Dr. Matthias Kleespies von der Abteilung Didaktik der Biowissenschaften und Zootierbiologie. „Unsere Studie legt nahe, dass das Wissen über konkrete Haltungsbedingungen zum Teil begrenzt ist“, so Kleespies weiter. Obwohl die Zootierhaltung den vergleichsweise strengen Auflagen des Säugetiergutachtens und regelmäßigen Kontrollen unterliegt, wurde sie von den Befragten besonders kritisch bewertet. Dabei kommen eher in der privaten Haustierhaltung Verstöße gegen das Tierschutzrecht vor. Die meisten Menschen gehen sehr verantwortungsbewusst mit ihren Haustieren um, überprüft wird die private Haustierhaltung aber nur in Ausnahmefällen.

Ähnliche Wissenslücken vermuten die Forschenden auch bei anderen Formen der Tierhaltung. Gerade über Labortier- und Zootierhaltung ist der Kenntnisstand in der Regel nicht besonders hoch. Gleichzeitig können Emotionen und persönliche Einstellungen eine große Rolle bei der Bewertung spielen. Die Forschenden sehen deshalb einen erhöhten Bedarf an Kommunikation und Aufklärung. „Die öffentliche Wahrnehmung von Tierhaltung beeinflusst langfristig auch politische Debatten und mögliche gesetzliche Veränderungen“, so Wolf. „Deshalb ist es wichtig zu verstehen, wie unterschiedliche Formen der Tierhaltung wahrgenommen werden und welche Faktoren diese Wahrnehmung prägen.“ Wenngleich die Studie nicht repräsentativ für die gesamte Gesellschaft sei, liefere sie trotzdem wichtige Hinweise darauf, wie Studierende unterschiedliche Mensch-Tier-Beziehungen bewerten. Nun müsse noch erforscht werden, welche konkreten Vorstellungen, Wissensstände und emotionalen Faktoren hinter den Bewertungen stehen.

Publikation: Wolf, R.L., Dierkes, P.W., Kleespies, M.W. A comparison of students’ perceptions of animal husbandry under human care. npj Vet. Sci. (2026). https://doi.org/10.1038/s44433-026-00021-w

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Bildtext: Tiere können auf sehr unterschiedliche Art und Weise gehalten werden. Eine Studie der Goethe-Universität zeigt, wie Studierende verschiedenen Arten der Tierhaltung bewerten. (Foto: Volker Wenzel / GU)
Wolf, R.L., Dierkes, P.W., Kleespies, M.W. A comparison of students’ perceptions of animal husbandry under human care. npj Vet. Sci. (2026). https://doi.org/10.1038/s44433-026-00021-w
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