Drei „ERC Proof of Concept Grants“ für die Uni Bonn Europäischer Forschungsrat fördert Projekte auf ihrem Weg aus der Grundlagenforschung in die Anwendung
Drei Forschende der Universität Bonn erhalten einen „Proof of Concept Grant“ des Europäischen Forschungsrats (ERC). Der Neurowissenschaftler Prof. Dr. Dominik Bach, die Chemikerin Junior-Prof. Dr. Ala Bunescu und der Radiologe Prof. Dr. Philipp Vollmuth (auch Universitätsklinikum Bonn) erhalten für 18 Monate jeweils 150.000 Euro. Dieses Programm unterstützt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dabei, Erkenntnisse aus ihrer Forschung in kommerzielle Anwendungen zu bringen.
Der große Erfolg von gleich drei bewilligten Projekten zeigt die weiter wachsende Innovationsstärke der Universität Bonn, die auch durch den sukzessiven Aufbau der Transferstrukturen durch das Transfer Center enaCom gefördert wird. „Die ERC Proof of Concept Grants sind eine große Auszeichnung für ganz besonders innovative und visionäre Ansätze. Hier zeigt sich, dass wir an der Uni Bonn bereits früh in der Forschung mitdenken, wie neue Erkenntnisse auch richtungsweisend für die Lösung gesellschaftlicher Probleme unserer Zeit sein können“, sagt Dr. Daniela Treutlein, Innovation Scoutin bei enaCom. Das Transfer Center unterstützt Forschende dabei, ihre Erkenntnisse in die praktische Anwendung zu überführen. Gemeinsam mit dem Transfer-Team der Medizinischen Fakultät begleitet enaCom die Antragstellenden auf ihrem Weg in die Umsetzung.
Die drei geförderten Projekte:
Virtual-Reality-Umgebung hilft bei Angststörungen
Prof. Dr. Dominik Bach, Hertz-Professor des Transdisziplinären Forschungsbereichs (TRA) „Life and Health“ und Leiter des Centre for Artificial Intelligence and Neuroscience (CAIAN) an der Universität Bonn, simuliert im Rahmen seines Projekts “NOVA: Non-verbal Objective VR-based Diagnostic Assessment for Anxiety Disorders” Angstsituationen, um die Diagnose von Angststörungen zu verbessern. „Bisher basieren Diagnosen auf der subjektiven Selbstauskunft. Die Betroffenen füllen Fragebögen aus, die dann vom Arzt interpretiert werden“, erläutert Professor Bach die Problematik: „Dies kann die Wirklichkeit verzerren, beispielsweise aufgrund kultureller Unterschiede oder Sprachbarrieren.“ NOVA strebt eine vollautomatisierte, sprachunabhängige und objektive Lösung zur Beurteilung von Angststörungen an. Dafür simuliert das Team Bedrohungssituationen in Virtual-Reality-Umgebungen, um natürliche Verhaltensweisen bei den Personen hervorzurufen. Die Idee basiert auf den Forschungsergebnissen von Dominik Bach, die er im Rahmen eines ERC Consolidator Grants seit 2018 durchgeführt hat.
Herstellung spezieller Moleküle wird einfacher
Im Rahmen des Projekts „Pi-LOOP: Iterative Pi-Guided Polyaromatic Synthesis“ entwickelt Juniorprofessorin Dr. Ala Bunescu vom Kekulé-Institut für Organische Chemie und Biochemie ein innovatives Verfahren zur Herstellung polyaromatischer Verbindungen, das heißt, Moleküle, die aus mehreren aromatischen Ringen bestehen. Diese Moleküle finden breite Anwendung in Arzneimitteln, Agrochemikalien, Materialien für die organische Elektronik und funktionellen Farbstoffen. Die Pi-LOOP-Technologie zielt darauf ab, polyaromatische Moleküle schrittweise aus einfachen Bausteinen zusammensetzen zu können, ohne auf vorfunktionalisierte Ausgangsstoffe oder hochspezialisierte Reagenzien angewiesen zu sein. „Langfristig könnte die Pi-LOOP-Plattform eine automatisierte iterative Synthese polyaromatischer Verbindungen ermöglichen, und damit die Entwicklung neuer funktioneller Moleküle für industrielle Anwendungen drastisch beschleunigen“, sagt Dr. Ala Bunescu, die Mitglied im TRA „Matter“ ist. Das Projekt basiert auf den Forschungsergebnissen, die die Bunescu-Gruppe seit 2022 im Rahmen eines ERC-Starting-Grant gesammelt hat.
Mehr KI in der Radiologie
Prof. Dr. Philipp Vollmuth leitet das Projekt „RAD-AI-INFRA: From Research Infrastructure to Radiology AI Platform“ an der Klinik für Neuroradiologie des Universitätsklinikums Bonn (UKB). Er entwickelt eine Softwareinfrastruktur, die große radiologische Datenbestände datenschutzkonform erschließt. „Kliniken verfügen über enorme Mengen radiologischer Bild- und Befunddaten, die für die Entwicklung moderner KI-Anwendungen unverzichtbar sind. Gleichzeitig erschweren Datenschutz, regulatorische Anforderungen und abgeschottete klinische IT-Systeme ihre Nutzung“, sagt Prof. Vollmuth, der Mitglied im TRA „Life and Health“ ist. Die Plattform soll Krankenhäusern ermöglichen, große klinische Datensätze für die Entwicklung moderner KI-Systeme zu nutzen sowie kommerzielle KI-Produkte an den eigenen Patientendaten zu testen und im klinischen Betrieb zu überwachen. Sie ist bereits an mehreren Universitätskliniken im Einsatz und soll mit dem ERC Proof of Concept Grant für den breiteren Einsatz in Kliniken und die spätere kommerzielle Nutzung weiterentwickelt werden. Die Infrastruktur berücksichtigt dabei die Vorgaben aktueller europäischer Regulierungen, darunter das EU-KI-Gesetz (AI Act) und den European Health Data Space (EHDS). Prof. Vollmuth ist Else Kröner CS Professor für Künstliche Intelligenz in der medizinischen Bildgebung an der Universität Bonn und Sektionsleiter für Computational Radiology & Clinical AI (LINK AUF CCIBonn.ai) am Universitätsklinikum Bonn. Das Projekt baut auf seinem ERC Consolidator Grant „AI-Next“ auf.
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
gegründet 1818, Exzellenzuniversität seit 2019