FRANKFURT. Prof. Bernhard Brüne, Vizepräsident für Forschung an der Goethe-Universität, gratuliert den beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zur Förderung ihrer Projekte: „Die Förderzusagen sind ein großartiger Erfolg für unsere Forschung auf den Zukunftsfeldern der Lebenswissenschaften: Alle drei Sonderforschungsbereiche untersuchen aus unterschiedlichen Perspektiven Vorgänge in Zellen und erweitern so unser Verständnis von den Mechanismen des Lebens und den molekularen Ursachen von Krankheiten.“ Der Vizepräsident führt aus: „Die Spitzenforscherinnen und -forschern der SFBs sind auch die Säulen unserer beiden Exzellenzcluster ‚CPI – Cardio-Pulmonary Institute‘ und ‚SCALE ‚Subcellular Architecture of Life‘. Die SFBs werden die beiden Profilbereiche der Goethe-Universität ‚Science for Health‘ und ‚Structures and Dynamics of Life‘ schärfen. Gleichzeitig zeigen diese Verbundprojekte, welche Früchte die weitreichende Vernetzung der Goethe-Universität in der Rhein-Main-Region trägt, die das Fundament des Verbundes der Rhein-Main-Universitäten bildet.“
mRNA im Visier
mRNA wurde lange Zeit in den Lebenswissenschaften lediglich als passiver, kurzlebiger Botenstoff bewertet. Die Experimente von Katalyn Karikó und Drew Weissman – 2023 mit dem Nobelpreis geehrt – leiteten eine radikale Änderung dieser Einschätzung ein, und im Impfstoff gegen das SARS-CoV2-Virus zeigte mRNA sein riesiges Anwendungspotenzial. Heute ist bekannt, dass mRNA-Moleküle bei weitem nicht nur den Protein-Bauplan transportieren, sondern auf zahlreichen Ebenen die Herstellung von Proteinen regulieren. Der
Sonderforschungsbereich/Transregio 440 smART, „Specific mRNA targeting“ hat sich zum Ziel gesetzt, chemisch-biologische Werkzeuge zu entwickeln, um gezielt mRNA-Moleküle anzusprechen. TRR 440-Sprecher Prof. Harald Schwalbe von der Goethe-Universität erklärt: „Mithilfe von chemischen und biologischen Werkzeugen, die eine spezifische Boten-RNA treffen, können wir dann etwa die Konzentration des entsprechenden Proteins in der Zelle kontrolliert erhöhen oder verringern. So werden wir besser verstehen, wie die Biologie der Zelle funktioniert und was bei Erkrankungen aus dem Ruder läuft.“ Ko-Sprecherin Prof. Julia Weigand von der Philipps-Universität Marburg ist überzeugt: „Wissenschaftlich etabliert sind bereits Methoden, die bestimmte, krankheitsrelevante mRNA eliminieren können. Mit dem Werkzeugkasten, den wir entwickeln werden, können wir auch die Produktion von Proteinen steigern, etwa um künftig krankheitsbedingte Unterfunktionen auszugleichen.“ Der TRR 440 wird bis 2030 mit insgesamt 12,3 Millionen Euro gefördert. Sprecherinstitutionen sind die Goethe-Universität Frankfurt und die Philipps-Universität Marburg, Partner die Justus-Liebig-Universität Gießen, die Technische Universität Darmstadt, das Max-Planck-Institut für Biophysik, die Universität Heidelberg und die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.
Komplexe Proteine als Vermittler
Der Erforschung großer Proteinkomplexe in Membranen von Zellen widmet sich der
SFB 1507 „Proteinverbünde und Maschinerien in Zellmembranen“. Solche in Membranen eingebettete oder daran assoziierte Proteinkomplexe wandeln Energie, transportieren Nährstoffe, Stoffwechselprodukte oder Steuerungssignale oder vermitteln Interaktionen mit Krankheitserregern und ermöglichen so die Wechselwirkungen zwischen dem „Drinnen“ und „Draußen“. Der SFB 1507 will die Organisations- und Funktionsprinzipien dieser großen, dynamischen Proteinkomplexe verstehen, zum Beispiel wie diese Komplexe in der zellulären Selbstverteidigung oder bei Kommunikationsprozessen zusammenwirken. Der Sonderforschungsbereich 1507 wird bis 2030 mit insgesamt 15,7 Millionen Euro gefördert. Federführend ist die Goethe-Universität unter Leitung von Prof. Robert Tampé. Partner sind das Max-Planck-Institut für Biophysik, die Johannes Gutenberg-Universität Mainz und die Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Wie Bindegewebe heilen hilft
Wie das Bindegewebe oder Stroma im Körper die Heilung beschädigter Organstrukturen unterstützt, untersucht der
SFB 1531 „Schadenskontrolle durch das Stroma-vaskuläre Kompartiment“. Im Fokus stehen Reparaturprozesse, die nach Verletzungen im Gehirn, des Herzens oder von Gefäßen als Folge von Herz-Kreislauferkrankungen in Gang gesetzt werden, wie zum Beispiel Infarkten. Verschiedene Zellen agieren bei den komplexen Prozessen äußerst koordiniert. Die Aufklärung dieses Zusammenspiels dient als Grundlage dafür, Wege zu finden, wie medizinisch solche körpereigenen Heilungsprozesse unterstützt werden können. Der Sonderforschungsbereich 1531 wird bis 2030 mit insgesamt 17,1 Millionen Euro gefördert. Sprecherin ist die Goethe-Universität (Prof. Ralf Brandes), Partner sind das Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim, das Berliner Institut für Gesundheitsforschung an der Charité, das Universitätsklinikum Heidelberg und die Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
Hintergrund:
Meldung: Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt SFB 1531 und SFB 1507 (2022)
https://www.puk.uni-frankfurt.de/119760565/Neue_Sonderforschungsbereiche_an_Goethe_Universit%C3%A4t_zu_Verletzungen_im_Herz_Kreislaufsystem_und_zellul%C3%A4ren_Protein_Superkomplexen