Der „Homo oeconomicus“ der klassischen Wirtschaftsanalyse hat nichts mit realen Menschen gemein, die Namen, Familien und Gemeinschaften haben und sich selbst sowie andere anhand von Geschlecht, Klasse, Religion, Nationalität und Arbeitsplatz beschreiben. Die Identitätsökonomie hingegen bezieht solche sozialen Kategorien und die damit verbundenen Normen in ihre Modelle mit ein, um auf diese Weise wirtschaftliches Verhalten und wirtschaftliche Ergebnisse besser analysieren zu können. Eine der Protagonistinnen dieser Richtung ist die Wirtschaftswissenschaftlerin Prof. Rachel Kranton von der renommierten Duke University (Durham, North Carolina). Unter dem Titel „Beyong Money and Markets“ wird sie
am Dienstag, 10. November, um 18:15 Uhr
in Raum 1G192 im PEG-Gebäude
(Theodor-W.-Adorno-Platz 4, Campus Westend)
über diese Forschungsrichtung sprechen. Sie will zeigen: Die Identitätsökonomie eignet sich, um anhand von sozialen Kategorien und den damit verbundenen Normen zu erfassen, wie Menschen glauben, sich verhalten und interagieren zu sollten. Dabei geht es auch um das Thema Führung in Organisationen und soziale Ungleichheit in der Gesellschaft.
Rachel Kranton ist James B. Duke Distinguished Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Duke University und untersucht, wie Institutionen und das soziale Umfeld wirtschaftliche Ergebnisse beeinflussen. Sie entwickelt Theorien zu Netzwerken und hat den Begriff der Identität in das ökonomische Denken eingeführt. Ihre Forschung leistet Beiträge u.a. zu Mikroökonomie, Wirtschaftsentwicklung und Industrieorganisation.
Rachel Kranton ist Mitglied der National Academy of Sciences und der American Academy of Arts and Sciences, Fellow der Econometric Society sowie Fellow der Society for the Advancement of Economic Theory. Sie wurde mit dem Chaire Blaise Pascal ausgezeichnet. Gemeinsam mit Kollegen gründet sie derzeit ein neues Forschungsnetzwerk mit dem Namen „Economic Research on Identity, Norms, and Narratives“ (ERINN).
Der Vortrag ist die zweite öffentliche Veranstaltung des Goethe Leadership Centre, einer neuen Kolleg-Forschungsgruppe, die zum 1. Oktober offiziell die Arbeit aufgenommen hat. Der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für zunächst vier Jahre geförderte interdisziplinäre Verbund aus Psychologie und Wirtschaftswissenschaften untersucht, welche Rolle der Führungsstil von Vorgesetzten für die gesamtgesellschaftliche Stimmung und die Demokratie spielen kann und wie er in Form von „Identity Leadership“ (identitätsbasierte Führung) in deren Interesse zu verbessern wäre. Die Kolleg-Forschungsgruppe „Führung neu denken: Identitätsbasierte Führung als gruppenorientiertes Instrument zur Analyse und Bewältigung der Herausforderungen unserer Zeit“ oder eben Goethe Leadership Centre wurde gemeinsam von dem Wirtschaftswissenschaftler Prof. Michael Kosfeld und dem Psychologen Prof. Rolf van Dick beantragt, letzterer ist derzeit auch Sprecher des Verbundes.
Die Teilnahme ist kostenlos. Im Anschluss an den Vortrag findet ein Empfang statt. Bitte bestätigen Sie Ihre Teilnahme aus organisatorischen Gründen bei Gordon Adami unter
contact@goethe-leadership.org.