Vom Streuner zum Revierboss: Epigenetik macht Geparden anpassungsfähig
en-GBde-DEes-ESfr-FR

Vom Streuner zum Revierboss: Epigenetik macht Geparden anpassungsfähig


Die Ergebnisse einer neuen Studie unter Leitung des Leibniz-IZW zeigen am Beispiel von freilebenden namibischen Geparden (Acinonyx jubatus jubatus), dass epigenetische Mechanismen eine wichtige Rolle dabei spielen könnten, wie Tiere trotz geringer genetischer Vielfalt unterschiedliche Phänotypen, also unterschiedliche äußerliche Merkmale, ausbilden.
Männliche Geparde beginnen ihr Erwachsenenleben als sogenannte Floater. Sie besitzen kein eigenes Territorium und ziehen einzeln oder in kleinen Brüdergruppen von bis zu drei Tieren durch große Streifgebiete. Einige von ihnen schaffen es aber, durch tödliche Kämpfe ein Territorium zu übernehmen und werden zu territorialen Männchen. Damit verändern sie ihren Phänotyp innerhalb weniger Monate: Als territoriale Männchen werden sie körperlich viel kräftiger, aggressiver und bewegen sich in einem deutlich kleineren Gebiet, in dessen Zentrum die Markierungsbäume der Geparde liegen.
Solche Veränderungen, die nicht durch genetische Unterschiede erklärbar sind, könnten epigenetisch gesteuert werden, so die Hypothese des Forscher:innen-Teams, also über DNA-Methylierung, die Gene stärker und schwächer reguliert, ohne die DNA-Sequenz selbst zu verändern. Bei der DNA-Methylierung lagern sich chemische Gruppen an die DNA an und können dadurch die Genaktivität beeinflussen.

IZW Langzeit-Gepardenforschungsprojekt in Namibia

Für die Untersuchung nutzte das Forschungsteam Blutproben, Gewicht und Altersdaten des Leibniz-IZW Gepardenprojektes in Namibia. Von zehn männlichen Geparden lagen Blutproben aus zwei Lebensphasen vor: zunächst, als die Tiere noch Floater waren, und später, nachdem sie ein Territorium übernommen hatten. Die Forschenden konnten damit die DNA-Methylierung bei denselben Individuen vor und nach dem Wechsel identifizieren und vergleichen.
„Unsere Ausgangsthese hat sich bestätigt“, sagt Dr. Alexandra Weyrich, Wissenschaftlerin in der Abteilung für Evolutionsgenetik am Leibniz-IZW und eine der beiden Seniorautor:innen der Studie. „Der Wechsel vom Floater zum territorialen Männchen geht tatsächlich mit deutlichen Veränderungen im Methylierungsmuster einher. Besonders interessant war, wie klar die betroffenen Gene in Stoffwechselwegen fungieren, die mit genau den Merkmalen zusammenhängen, die sich auch äußerlich verändern.“
Um auszuschließen, dass die Veränderungen im Methylierungsmuster lediglich auf das höhere Alter der territorialen Männchen zurückzuführen sind, wurden zusätzliche Analysen durchgeführt. Dabei zeigte sich: Das altersabhängige Methylierungsmuster unterscheidet sich deutlich von den Mustern der beiden „männlichen Phänotypen“.
„Außerdem blieben die Körpermaße von Floatern, die bis ins hohe Alter Floater blieben, weitgehend unverändert. Das steht im Gegensatz zu Floatern, die später ein Territorium übernehmen“, erklärt Colin Vullioud, Erstautor und Datenanalyst am Leibniz-IZW. „Darüber hinaus haben wir potenzielle epigenetische Biomarker identifiziert, mit denen sich Floater von territorialen Männchen unterscheiden lassen.“
Dr. Bettina Wachter, Wissenschaftlerin in der Abteilung Evolutionäre Ökologie am Leibniz-IZW und Leiterin des Gepardenforschungprojektes in Namibia erklärt: „Entscheidend und sehr ungewöhnlich bei Geparden ist, dass sich die Männchen erst nachdem sie den Kampf um ein Territorium gewonnen haben, körperlich und verhaltensmäßig verändern. Bei anderen Säugetierarten gehen Männchen einen Kampf ein, wenn sie kräftig sind und bleiben es dann auch nach der Territoriumsübernahme. Daher konnten wir dank epigenetischer Untersuchungen nachweisen, welche Gene mit diesem phänotypischen Wechsel anders reguliert werden. “

Epigenetische Marker für den Artenschutz
„Unsere Ergebnisse sind wichtig, weil sie zeigen, dass auch Arten mit geringer genetischer Vielfalt anpassungsfähig sind. Möglicherweise hilft Individuen diese epigenetische Flexibilität, um unterschiedliche Phänotypen auszubilden, was unter schnell veränderten Umweltbedingungen wichtig ist“ so Weyrich.
Die Forschenden betonen, dass die Studie noch keine Ursache-Wirkungs-Beziehung nachweisen kann. Die beobachteten Methylierungsveränderungen bei den Geparden sind zwar mit dem Wechsel vom Floater zum Territorialmännchen verbunden. Ob sie den Wechsel initiieren, ihn begleiten oder eine Folge der veränderten Lebensweise sind, lässt sich anhand der vorliegenden Daten noch nicht beantworten.
Zukünftige Forschung sollte untersuchen, ob ähnliche Mechanismen auch bei anderen bedrohten Arten mit geringer genetischer Variabilität eine Rolle spielen.
Vullioud C, Geweiler D, Melzheimer J, Yasar S, Fickel J, Wachter B#, Weyrich A# (2026) Epigenetic changes are associated with phenotypic transition in Namibian cheetahs, #shared last authors, Molecular Ecology 35, no. 17: e70527. https://doi.org/10.1111/mec.70527
Attached files
  • Jan Zwilling/Leibniz-IZW
Regions: Europe, Germany, United Kingdom, Africa, Namibia, North America, United States
Keywords: Science, Environment - science, Life Sciences

Disclaimer: AlphaGalileo is not responsible for the accuracy of content posted to AlphaGalileo by contributing institutions or for the use of any information through the AlphaGalileo system.

Testimonials

For well over a decade, in my capacity as a researcher, broadcaster, and producer, I have relied heavily on Alphagalileo.
All of my work trips have been planned around stories that I've found on this site.
The under embargo section allows us to plan ahead and the news releases enable us to find key experts.
Going through the tailored daily updates is the best way to start the day. It's such a critical service for me and many of my colleagues.
Koula Bouloukos, Senior manager, Editorial & Production Underknown
We have used AlphaGalileo since its foundation but frankly we need it more than ever now to ensure our research news is heard across Europe, Asia and North America. As one of the UK’s leading research universities we want to continue to work with other outstanding researchers in Europe. AlphaGalileo helps us to continue to bring our research story to them and the rest of the world.
Peter Dunn, Director of Press and Media Relations at the University of Warwick
AlphaGalileo has helped us more than double our reach at SciDev.Net. The service has enabled our journalists around the world to reach the mainstream media with articles about the impact of science on people in low- and middle-income countries, leading to big increases in the number of SciDev.Net articles that have been republished.
Ben Deighton, SciDevNet

We Work Closely With...


  • The Research Council of Norway
  • SciDevNet
  • Swiss National Science Foundation
  • iesResearch
Copyright 2026 by AlphaGalileo Terms Of Use Privacy Statement