EU fördert den Informatik-Professor der Uni Bonn mit 2,5 Millionen Euro
Digitale Technologien und Sicherheitsgesetze prägen den Alltag von Millionen Menschen. Unvorsichtiger oder missbräuchlicher Einsatz können dabei Grundrechte einschränken, Hass und Missbrauch im Netz unzureichend eindämmen oder neue technische Risiken schaffen. Um Lösungen für diese ethisch-technischen Konflikte zu entwickeln, erhält Prof. Dr. Matthew Smith, Informatiker an der Universität Bonn und dem Fraunhofer FKIE, einen begehrten Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC). Die Europäische Union stellt für die nächsten fünf Jahre insgesamt rund 2,5 Millionen Euro für sein Projekt bereit.
Ob staatliche Überwachung, Online-Missbrauch, Moderation von Inhalten oder Altersüberprüfung im Internet: Viele Debatten über digitale Sicherheit und Privatsphäre wirken unlösbar. „Oft stehen berechtigte Ziele im Konflikt zueinander“, erklärt Prof. Matthew Smith vom Institut für Informatik der Universität Bonn und dem Fraunhofer FKIE. „Zum Beispiel wenn Privatsphäre und Grundrechte auf der einen Seite auf Kinderschutz oder öffentliche Sicherheit auf der anderen Seite treffen.“
In seinem vom ERC geförderten Projekt „EthicoTech“ entwickelt Prof. Matthew Smith mit seinem Team nun eine neue Forschungsmethode, um diese festgefahrenen ethisch-technischen Konflikte in IT-Sicherheit und Datenschutz besser zu verstehen und Lösungsansätze zu entwickeln. Dafür bindet Smith unterschiedliche Gruppen systematisch in seinen Forschungsprozess ein, von Informatikerinnen und Informatiker über Personen aus der Strafverfolgung und Politik bis hin zu Betroffenen, Eltern, Jugendlichen oder Plattformbetreiber. „Wir untersuchen, ob die Konflikte wirklich ethischer Natur sind, ob sie technische Ursachen haben oder ob beides miteinander vermischt wird.“
Sein Ziel ist, bessere technische oder gesetzgeberische Anforderungen abzuleiten, zum Beispiel in den Bereichen staatliche Überwachung, Online-Missbrauch und Inhaltskontrolle. „Mögliche Ergebnisse könnten zum Beispiel Anforderungen an datenschutzfreundliche Altersüberprüfung, bessere Verfahren gegen Online-Belästigung oder fundiertere Entscheidungsgrundlagen für Sicherheits- und Datenschutzgesetzgebung sein.“
Möglich wird diese Art der Forschung erst durch die ERC-Förderung. „Der Grant ermöglicht mir eine langfristige, methodisch anspruchsvolle Forschung mit wiederholten Studien, schwer erreichbaren Stakeholdergruppen, Teilnehmendenvergütung, technischer Forschungsinfrastruktur“, unterstreicht Matthew Smith die Bedeutung des Grants. „Ohne diese Förderung wäre es kaum möglich, solche komplexen und kontroversen Debatten über mehrere Jahre hinweg mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen systematisch zu untersuchen.“