Instabile distale Radiusfraktur: Präoperativ keine geschlossene Reposition erforderlich

KÖLN. Bei einer instabilen distalen Radiusfraktur ist eine geschlossene Reposition vor einer operativen Versorgung nicht zwingend notwendig. Zu diesem Ergebnis kommen Steffen Löw, Hand- und Unfallchirurgie, Bad Mergentheim, und Co-Autoren im Deutschen Ärzteblatt (Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 783–9).

Distale Radiusfrakturen werden zunehmend operativ behandelt. Instabile Extensionsfrakturen werden dabei meist mittels winkelstabiler palmarer Plattenosteosynthese versorgt. Üblicherweise wird die Fraktur reponiert, bevor zur Schmerzlinderung ein Gips angelegt wird. Die Autoren wollten nun wissen, ob es sich in der Zeit bis zur Operation nachteilig auf die Schmerzhaftigkeit auswirkt, wenn das geschlossene Reponieren vor Anlage des Gipses unterbleibt. Ein weiteres Studienziel bestand darin zu klären, ob die länger andauernde Dislokation zu Schädigungen des Nervus medianus oder zu schlechteren klinisch-radiologischen Ergebnissen führt.

Um diese Fragen zu klären, verglichen die Forscher prospektiv randomisiert 22 Patienten nach reponierter Radiusfraktur mit 25 Patienten, bei denen die Radiusfraktur ohne Reposition behandelt wurde. Primärer Endpunkt war die Differenz zwischen dem Schmerzniveau an Tag 1 nach der Behandlung und dem initialen Schmerzniveau bei Vorstellung.

Es zeigte sich, dass das Unterlassen der in der Initialbehandlung meist üblichen geschlossenen Reposition vor Anlage des Gipses weder einen Nachteil im Hinblick auf die Schmerzlinderung während der präoperativen Gipsbehandlung, noch für das klinisch-radiologische Ausheilungsergebnis nach einem Jahr birgt. Sofern initial keine Medianussymptomatik besteht, so die Autoren, sollte die primäre geschlossene Reposition vor einer operativen Therapie nicht mehr grundsätzlich durchgeführt werden.

Die distale Radiusfraktur zählt zu den häufigsten Knochenbrüchen beim Menschen. Dabei ist das Lebenszeitrisiko bei Frauen osteoporosebedingt höher als bei Männern (15 versus 2 Prozent).

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Löw S, Papay M, Spies CK, Unglaub F, Eingartner C: The requirement for closed reduction of dorsally displaced unstable distal radius fractures before operative treatment—a randomized controlled study. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 783–9.
DOI: 10.3238/arztebl.2020.0783

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