Erinnerungen beeinflussen Essensentscheide

19/05/2015 Universität Basel

Je besser wir uns an etwas erinnern, desto eher entscheiden wir uns dafür – auch wenn das Angebot unattraktiv ist. Psychologen der Universität Basel belegen in einer Studie, in der verschiedene Essensangebote zur Wahl standen, wie das Gedächtnis die Entscheidungen beeinflusst. Mithilfe von Gehirnscans konnten die Forscher zeigen, dass diesem Einfluss eine verstärkte Kommunikation zwischen den beteiligten Hirnarealen zugrunde liegt. Ihre Studie ist soeben in der Wissenschaftszeitschrift «Neuron» erschienen.

Viele unserer alltäglichen Entscheidungen – wie «Was schenke ich meiner Freundin?» oder «In welches Restaurant gehen wir essen?» – stützen sich auf den Abruf relevanter Informationen
aus dem Gedächtnis. Die neuronalen und kognitiven Mechanismen solcher
Entscheidungen sind aber bisher kaum untersucht worden. Bekannt ist, dass bei diesen Gehirnprozessen der Hippocampus, eine klassische «Gedächtnis‐Region», und der ventromediale präfrontale Kortex im Stirnlappen, eine «Entscheidungs‐Region», beteiligt sind.

Wahl zwischen Snacks

In der Studie des Psychologenteams der Universität Basel hatten 30 hungrige, jüngere Probanden eine Aufgabe zu lösen, bei der sie zunächst 48 Snacks danach zu bewerten hatten, wie sehr sie sie mögen – etwa Chips und Schokoladenriegel, Salzgebäck und Gummibonbons. Anschliessend mussten sie sich im Magnetresonanz-Scanner wiederholt zwischen je zwei Essensangeboten entscheiden. Die Snacks wurden ihnen verbunden mit bestimmten Orten auf dem Computerbildschirm präsentiert. Bei der Entscheidung wurden aber nur die Orte gezeigt, sodass sich die Probanden an die dazugehörigen Snacks erinnern mussten.

Als Ergebnis bevorzugten die Probanden tendenziell Snacks, an die sie sich besser erinnerten. Mehr noch: Besser erinnerte Snacks wurden auch dann gewählt, wenn sie vergleichsweise unattraktiv waren, also von den Probanden schlecht bewertet wurden. Einzig Snacks, die jemand in der Bewertung sehr stark ablehnte, wurden nicht gewählt. Der Vergleichsgruppe mit ebenfalls 30 Probanden wurden die Snacks direkt im Bild präsentiert – bei ihnen deckte sich in der Regel die Bewertung mit der Entscheidung.

Modell und Gehirnscans

Die neuronalen Mechanismen der gedächtnisbasierten Entscheidungen untersuchte die Forschungsgruppe mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT). Sie entwickelten ein mathematisches Modell, das den Entscheidungsprozess abbildet und den Einfluss des Gedächtnisses mit berücksichtigt. Damit konnten die Psychologen die Stärke der gedächtnisbasierten Aktivierung während der Abspeicherung im Hippocampus bestimmen. Eine Analyse der Aktivierung während der Entscheidungen zeigte, dass eine verstärkte Kommunikation von Hippocampus und dem ventromedialen präfrontalen Kortex stattfindet.

«Unsere Untersuchung bildet eine Brücke zwischen zwei zentralen Forschungsfeldern der Psychologie, der Gedächtnis- und der Entscheidungsforschung», erläutert der Erstautor der Studie, Dr. Sebastian Gluth. Die Kombination von mathematischer Modellierung und den Gehirnscans liefert zudem ein genaues Verständnis darüber, welche Gehirnareale an welchen psychologischen Teilprozessen beteiligt sind und wie die verschiedenen Areale miteinander zusammenspielen. Die Studie entstand in Kooperation mit Prof. Jörg Rieskamp (Economic Psychology, Fakultät für Psychologie, Universität Basel) sowie Dr. Tobias Sommer und Dr. Christian Büchel vom Institut für Systemische Neurowissenschaften am Universitätsklinikum Hamburg‐Eppendorf.

Full bibliographic information


Sebastian Gluth, Tobias Sommer, Jörg Rieskamp, and Christian Büchel
Effective connectivity between hippocampus and ventromedial prefrontal cortex controls preferential choices from memory
Neuron

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