Grün geschminkt: 7 Mio. Euro EU-Projekt für nachhaltige Kosmetik gestartet

14/05/2014 OPTIBIOCAT

Natur-Kosmetik liegt voll im Trend. Die steigende Nachfrage nach natürlichen Beauty-Produkten wird künftig jedoch eine große Herausforderung für Kosmetikhersteller. Gefragt sind umweltschonende und nachhaltige Verfahren. Hier setzt ein neues EU-Projekt an. Das OPTIBIOCAT-Projekt will herkömmliche, chemische Prozesse durch natürliche und energieeffiziente Verfahren ersetzen. Das vierjährige Projekt wird von der EU mit 7 Mio. Euro unterstützt. OPTIBIOCAT setzt sich aus 16 Partnern aus Industrie und Forschung zusammen – darunter auch drei deutsche Firmen und die Universität Münster.

In den Supermarktregalen schmücken sich sch on heute viele Produkte mit Labeln wie „Natürlich“ oder „Bio“. Bei Kosmetikartikeln ist die Nachfrage nach natürlichen Inhaltsstoffen besonders hoch. Der Markt für Natur-Kosmetik konnte ein unglaubliches Wachstum in den vergangenen Jahren verzeichnen. Experten schätzen, dass der Markt an Naturkosmetik-Produkten weltweit von 5,8 Mrd. Euro im Jahr 2012 auf 10,1 Mrd. Euro im Jahr 2018 steigen wird. Doch das ist erst der Anfang. Konsumenten werden in Zukunft nicht nur wissen wollen, mit welchen Stoffen sie sich eincremen oder die Haare waschen. Sie werden sich auch informieren, wie diese Produkte hergestellt wurden. „Kosmetikfirmen werden künftig Produkte in ihr Sortiment nehmen müssen, die mit umweltfreundlicheren und energiesparenden Verfahren hergestellt wurden“, so Vincenza Faraco von der Universität Neapel. Faraco ist die Leiterin des OPTIBIOCAT-Projektes (Optimised esterase biocatalysts for cost-effective industrial production). OPTIBIOCAT wird von der EU mit 7 Mio. Euro unterstützt. Insgesamt beteiligen sich 16 Partner aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Portugal, Italien, Griechenland, Schweden und Finnland. Größter Industriepartner des Konsortiums ist der griechische Naturkosmetikhersteller Korres.

Ziel von OPTIBIOCAT ist es, derzeitig in der Kosmetikindustrie eingesetzte, chemische Prozesse durch natürliche, umweltschonendere Verfahren zu ersetzen. Hierfür werden Enzyme benötigt. Dies sind Katalysatoren, die Tausende von Reaktionen in der Zelle umsetzen und viele Prozesse erst ermöglichen oder beschleunigen. Die OPTIBIOCAT-Biokatalysatoren sollen so ermöglichen, Kosmetik-Wirkstoffe in nur sehr wenigen Reaktionsschritten herzustellen. Zudem setzen sie die bisher notwendige Reaktionstemperatur in chemischen Prozessen von bis zu 160°C auf 50 bis 60°C herunter. „Die Umweltbelastung wird mit den innovativen Biokatalysatoren deutlich reduziert", so Vincenza Faraco. „Darüber hinaus können unerwünschte Nebeneffekte wie unangenehme Gerüche vermieden werden.“

Die neuartigen Biokatalysatoren kommen aus der Gruppe der Feruloylesterasen (FAEs) und Glucuronylesterasen (GEs). Die verwendeten FAEs und GEs stammen aus den umfangreichen Enzymbibliotheken der Partner von OPTIBIOCAT. Über zielgerichtete Mutagenese sollen zudem einzelne DNA-Bausteine verändert werden, um die Genprodukte für die Kosmetikindustrie noch zu optimieren. Sie finden letztlich Einsatz bei der Herstellung von phenolischen Fettsäureestern und Zuckerestern mit antioxidativer Wirkung.

„Auch andere Industriezweige könnten von OPTIBIOCAT profitieren“, so Annette Langbehn von der BIOCOM AG. „FAEs werden in der Lebensmittelindustrie und für die Herstellung von Krebs- und Alzheimermedikamenten benötigt.“ Neben dem Berliner Fachkommunikationsunternehmen sind drei weitere deutsche Partner an dem Projekt beteiligt. „Die Entwicklung nachhaltiger verfahrenstechnischer Prozesse ist unser Tagesgeschäft", sagt Axel Gottschalk von der Supren GmbH aus Dortmund. „Wir freuen uns also sehr auf die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Industrie-Experten in den kommenden vier Jahren.“ Ebenfalls aus Dortmund kommt ein weiterer Industriepartner: Das Chemie-Auftragsforschungsunternehmen Taros Chemicals wird auf Basis der OPTIBIOCAT-Enzyme eine hochwertige Wirkstoffbibliothek entwickeln. „Außerdem werden wir unser Know-how bei der Überführung traditioneller chemischer Synthesen in kommerziell praktikable Bioprozesse beisteuern“, so Geschäftsführer Alexander Piechot. Auch Forscher aus Münster sind an OPTIBIOCAT beteiligt: Am Institut für Mikrobiologie und Biotechnologie der Universität Münster wird ein Forscherteam um Alexander Steinbüchel an der Optimierung der Biokatalysatoren arbeiten.

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