40% des Abflusses in der Schweiz kommt aus der Schneeschmelze. Das WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF untersuchte erstmals grossflächig den Einfluss eines wichtigen Faktors: des Waldes, der ein Drittel der Landesfläche bedeckt.
Weisse Tannen, die Äste leicht gebeugt von der Last des Schnees – das perfekte Winterbild. Was schön anzusehen ist, beeinflusst die Schneedecke im Wald und wie schnell sie wieder verschwindet. «Wir konnten im Detail aufzeigen, wie es durch den Wald eine räumliche und zeitliche Verschiebung der Schneeschmelze gibt – je nach Hangexposition und Höhenlage», umreisst Vincent Haagmans, Doktorand am WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, seine
Ergebnisse. Wieviel Schnee der Wald speichert, wann und wie schnell dieser schmilzt, beeinflusst potenziell Hochwasser, Wasserverfügbarkeit und ist relevant für die Ökologie.
Wald als Wasserspeicher
Vincent Haagmans untersuchte Daten aus acht Jahren aus der ganzen Schweiz, die die drei Hauptfaktoren der Schneedynamik im Wald berücksichtigen: Waldstruktur, Topografie und Wetter. Sie beeinflussen, wo wie viel Schnee zu liegen kommt und wie schnell dieser wieder schmilzt. Im Waldbereich war darüber bisher nur wenig bekannt, da sich die meisten Messstationen im offenen Gelände befinden. Der Wald ist jedoch relevant, da er während des Hochwinters zwanzig bis dreissig Prozent der gesamten Schneemenge speichert. Haagmans Erkenntnisse: «An Südhängen bleibt der Schnee in alpinen Wäldern meist länger liegen als im benachbarten offenen Gelände – in Nordhängen ist es gerade umgekehrt, wobei diese Unterschiede je nach Wetter- und Schneebedingungen variieren können.»
Schneearme Winter verstärken den Effekt
Ein paar Tage nach einem Schneefall verschwindet meist der Schnee auf den Bäumen – ein Teil davon geht als Wasserdampf zurück in die Atmosphäre, wodurch am Waldboden weniger Schnee zu liegen kommt als im offenen Gelände. In Nordhängen, wo im Winter keine Sonne hinkommt, führt dies im Wald oft zu einer frühen Ausaperung, weil es dort in erster Linie weniger Schnee zu schmelzen gibt. In Südhängen kommt die Sonne als zusätzlicher Faktor hinzu. Die Beschattung der Bäume führt zu einer langsameren Schmelze, so dass in den Wäldern an Südhängen meist sogar eine spätere Ausaperung resultiert. Derartige Kontraste sind in schneearmen Wintern besonders ausgeprägt.
Dass Süd- vor Nordhängen ausapern, ist bekannt. Haagmans konnte nun aber im Detail aufzeigen, wie der Wald eine weitere Dynamik in die Schneeschmelze bringt – sprich, dass dort die Schneeschmelze nochmals stärker variiert, was dem Wald hydrologisch gesehen eine zusätzliche Relevanz gibt.