Unterhaltungswert im europäischen Fußball trotz Dominanz von Topclubs hoch
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Unterhaltungswert im europäischen Fußball trotz Dominanz von Topclubs hoch


Die Attraktivität von Fußballspielen für Zuschauerinnen und Zuschauer gilt als eine zentrale Voraussetzung für den Erfolg professioneller Sportligen. Entsprechend beschäftigen sich Ligaverantwortliche mit der Frage, wie Wettbewerbe möglichst interessant gestaltet werden können. Aber wie kann man Attraktivität von Spielen und Wettbewerben messen?

Eine verbreitete Annahme lautet: Je geringer die Leistungsunterschiede zwischen den Teams und je schwieriger der Ausgang eines Spiels vorherzusagen ist, desto attraktiver ist das Spiel. Ob sich der Unterhaltungswert von Fußballspielen tatsächlich über die Vorhersagbarkeit von Ergebnissen erklären lässt, haben Forschende der Universität Tübingen und der Universität Zürich gemeinsam untersucht anhand von Spielen der Premier League, Bundesliga, La Liga, Serie A und Ligue 1. Die Ergebnisse zeigen, dass er sich genauer beschreiben lässt, wenn statt einer einzigen Kennzahl zwei unterschiedliche Aspekte des Zuschauererlebnisses betrachtet werden: Spannung und Überraschung tragen zur Attraktivität eines Spiels bei, fallen jedoch oft unterschiedlich aus. Die Studie ist im European Journal of Operational Research erschienen.

Unsicherer Ausgang allein erklärt Attraktivität nur unvollständig

„In der Sportökonomik wird häufig angenommen, dass eine größere Unsicherheit über den Spielausgang automatisch attraktivere Wettbewerbe schafft“, sagt Professor Tim Pawlowski vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Tübingen. „Die empirischen Ergebnisse dazu sind jedoch uneinheitlich. Deshalb wollten wir genauer verstehen, was den Unterhaltungswert von Fußballspielen ausmacht, auch im Zeitverlauf.“

Frühere Untersuchungen zeigen, dass Spannung (Suspense) und Überraschung (Surprise) eng mit dem Zuschauerinteresse zusammenhängen. Die Forschenden nutzten deshalb diese beiden Maße für ihre Studie. Ein Spiel ist demnach spannend, wenn während des Spiels mehrere Ergebnisse möglich erscheinen und man möglichst lange nicht weiß, welches eintreten wird. Überraschung beschreibt hingegen ein unerwartetes Ereignis wie beispielsweise der Führungstreffer eines Außenseiters.

Leistungsunterschiede bei Teams beeinflussen die Spannung stärker als die Überraschung

Um Spannung und Überraschung in realen Fußballspielen bewerten zu können, entwickelten die Forschenden zunächst einen Vergleichsmaßstab. Dazu simulierten sie theoretisch ausgeglichene Begegnungen, in denen beide Mannschaften gleich stark sind und sich lediglich durch den Heimvorteil unterscheiden. Aus diesen Simulationen leiteten sie Referenzwerte ab, die zeigen, wie viel Spannung und Überraschung in einem ausgeglichenen Wettbewerb zu erwarten sind.
Anschließend verglichen sie die Werte mit mehr als 25.000 Spielen aus der Premier League, Bundesliga, La Liga, Serie A und Ligue 1.

Die Simulationen zeigten, dass Spannung und Überraschung auf unterschiedliche Weise zum Unterhaltungswert eines Spiels beitragen. Spiele mit wenigen Toren bleiben häufig länger offen und erzeugen dadurch mehr Spannung. Wenn dagegen viele Tore auf beiden Seiten fallen, nehmen die Möglichkeiten für unerwartete Wendungen zu, wodurch der Überraschungseffekt im gesamten Spiel größer wird. Zudem wirken sich Leistungsunterschiede zwischen Mannschaften deutlich stärker auf die Spannung als auf die Überraschung aus.

Im Vergleich der Referenzdaten mit realen Spielen zeigte sich, dass die durchschnittliche Spannung vieler Spiele unter den Werten lag, die für theoretisch ausgeglichene Begegnungen zu erwarten wären. Besonders deutlich war dies bei Spielen mit Topclubs. Bei der Überraschung zeigten sich hingegen nur geringe Abweichungen von den Referenzwerten. Unerwartete Spielverläufe und Ergebnisse traten also auch dort regelmäßig auf, wo die Mannschaften unterschiedlich stark waren.

Kein einheitlicher Rückgang von Spannung und Überraschung im Spitzenfußball

In den vergangenen Jahren kamen verschiedene Studien zu dem Schluss, dass der europäische Profifußball immer unausgeglichener und damit auch unattraktiver wird. Die aktuelle Untersuchung zeichnet ein differenzierteres Bild. Die Forschenden fanden keinen allgemeinen Rückgang von Spannung und Überraschung über alle fünf Topligen hinweg. In manchen Ligen und Vereinen gingen die Werte zurück, in anderen blieben sie stabil oder stiegen sogar an.

Die Forschenden sehen in Spannung und Überraschung eine Möglichkeit, die Attraktivität von Fußballspielen differenzierter zu bewerten. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, die Folgen von Wettbewerbsreformen künftig genauer einzuschätzen.
Raphael Flepp, Tim Pawlowski, Travis Richardson: Suspense and surprise in European football. European Journal of Operational Research, 2026, https://doi.org/10.1016/j.ejor.2026.07.017
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  • Durchschnittliche Spannungs- und Überraschungswerte einiger Premier-League-Vereine. Farben kennzeichnen die Vereine, grau ist der Referenzbereich ausgeglichener Spiele. Werte für Spannung liegen oft unter, die für Überraschung meist innerhalb des Bereichs. Abbildung: Flepp et al. (2026), Suspense and surprise in European football, European Journal of Operational Research
Regions: Europe, Switzerland, Germany
Keywords: Society, Social Sciences, Leisure & sport

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