Maike Windbergs, Professorin am Fachbereich Biochemie, Chemie und Pharmazie, erhält einen der in diesem Jahr zwei Preise. Ausgezeichnet wird sie für eine Lehre, die fachliche Exzellenz, didaktische Klarheit und einen konsequenten Praxisbezug miteinander verbinde, eine „erlebbare Lehre“, wie Petra Stanić und William Masoudi in ihrer Laudatio erklärten. In ihrem Fachgebiet, der Pharmazeutischen Technologie, vermittle sie komplexe Inhalte verständlich, anschaulich und doch anspruchsvoll und mache deutlich, wie eng pharmazeutische Theorie, Apothekenpraxis und Arzneimittelherstellung verzahnt seien. Sie gebe Einblicke in aktuelle Forschung, indem sie z.B. humanbasierte, tierversuchsfreie 3D-Testmodelle in die Lehre integriert. In ihrer Dankesrede hob Windbergs die Bedeutung ihres Teams hervor, das mit großem Engagement an ihrer Seite stehe.
Dr. Stefan Rettenmayr lehrt als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Informatik und Mathematik. Die Studierenden, die ihn nominiert haben, sehen in ihm eine Lehrpersönlichkeit, die zu einer zentralen Ansprechperson im Mathematikstudium geworden ist. Seine Lehre sei außergewöhnlich verständnisorientiert, durch seine individuelle Betreuung trage er wesentlich zum Studienerfolg bei. Er führe Studierende schrittweise an komplexe Fragestellungen heran und erkläre so, „dass Intuition entsteht“, beschrieben die studentischen Lautorinnen Eungyu Kim und Lea Heuer. Mit seinem Einsatz stärke er auch das Gemeinschaftsgefühl am Fachbereich und die Chancengleichheit im Studium. Die Nominierung von Stefan Rettenmayr wurde von 500 Studierenden unterstützt. Der Preisträger bekannte sich als begeisterter Lehrender, der selbst viel von den Studierenden lerne. „Wir sollten nie unterschätzen, wie sehr wir das Leben anderer Menschen verändern“, beschloss er seine Dankesrede.
Zusammenspiel von Forschung und akademischer Bildung
Universitätspräsident Prof. Enrico Schleiff erinnerte in seiner Rede an die Veränderungen, die auch die Lehre in den vergangenen 25 Jahren geprägt haben, insbesondere hinsichtlich der Digitalisierung. „Der 1822-Universitätspreis hat diese Entwicklungen begleitet. Er hat die Bereitschaft gewürdigt, neue Wege in der Lehre zu gehen, und er hat sichtbar gemacht, dass Lehre weit mehr ist als die Vermittlung von Wissen. Er ist Ausdruck der Überzeugung, dass die besondere Stärke einer Universität im Zusammenspiel von Forschung und akademischer Bildung liegt – in ihrer Fähigkeit, Wissen zu schaffen und Wissen weiterzugeben.“ Schleiff dankte seinem Amtsvorgänger Prof. Rudolf Steinberg und dem damaligen Vorsitzenden der Frankfurter Sparkasse Klaus Wächter, für deren Weitblick: „Sie haben ein Zeichen gesetzt, das bis heute wirkt.“ Die Stiftung, die seit 25 Jahren die Lehre an der Goethe-Universität so tatkräftig unterstützt, erhielt dafür ebenfalls einen Preis: eine Goethe-Trophäe im Rot der Sparkasse – verbunden mit Schleiffs Wunsch, die Auszeichnung auch in den nächsten 25 Jahren zu fördern.
Dr. Arne Weick, der erstmals als Vorstandvorsitzender der Frankfurter Sparkasse an der Preisverleihung teilnahm, erinnerte sich an sein eigenes Studium an der Goethe-Universität und daran, welchen Unterschied die Lehrpersönlichkeit auch für ihn bedeutet habe. 25 weitere Jahre Förderung könne er zwar noch nicht zusagen, „aber wir machen das auf jeden Fall die nächsten Jahre weiter. Denn ein Jubiläum lädt nicht nur zum Rückblick ein, sondern auch zum Weiterdenken. Seit 2002 verbinden die Goethe-Universität und die Stiftung der Frankfurter Sparkasse mit dem 1822-Universitätspreis das gemeinsame Anliegen, exzellente Lehre ins Rampenlicht zu rücken. Dass die Nominierungen aus der Studierendenschaft kommen, macht diesen Preis besonders glaubwürdig. Als Stiftung ist es uns ein Herzensanliegen, gemeinsam mit der Universität Räume zu schaffen, in denen Neugier gefördert, Verantwortung gestärkt und Zukunft gestaltet wird – für die Hochschule und für unsere Region.“
Den Vortrag bei der Jubiläumsverleihung hielt PD Dr. Michael Maser. Unter dem Titel „Docendo Discitur – durch Lehren wird gelernt“ machte der Leiter des Universitätsarchivs anhand einer Aussage Senecas deutlich, wie wichtig das Miteinander von Lehrenden und Lernenden auch für die Lehrperson sei. Die im 19. Jahrhundert durch Wilhelm von Humboldt geprägte Einheit von Forschung und Lehre führe zu einer Klarheit im Denken, die beim stillen Forschen nicht notwendig sei. Darüber hinaus zwängen die Studierenden im Diskurs immer wieder zur Auseinandersetzung mit dem Stoff. Maaser lehrt am Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften das Fach Neuere Geschichte. Musikalisch umrahmt wurde die Preisverleihung durch den HerzKammerChor unter Leitung von Jakob Mues, ein junges Ensemble, das größtenteils aus Medizinstudierenden der Goethe-Universität besteht. Die Moderation übernahmen mit Thessa König und Can Payasli zwei (ehemalige) Studierende der Goethe-Universität. Auf einem bebilderten „Wandelgang“ konnte man auf zweimal neun Metern die Geschichte des Preises Revue passieren lassen und alle Preisträgerinnen und Preisträger der vergangenen Jahre kennenlernen.
Der 1822-Universitätspreis für gute Lehre
Einerseits das Bewusstsein dafür zu schärfen, wie wichtig innovative und gute Lehre für die universitäre Ausbildung sind, andererseits das Engagement herausragender Lehrender sichtbar zu machen – das ist die Idee hinter dem 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre, der 2002 zum ersten Mal vergeben wurde. Die Goethe-Universität und die Stiftung der Frankfurter Sparkasse vergeben die Auszeichnung gemeinsam. Finanziert werden die 30.000 Euro Preisgeld zu zwei Dritteln von der Stiftung, zu einem Drittel von der Universität, die zudem die jährliche Vergabefeier ausrichtet.
Seit 2025 gibt es laut Satzung des Preises keine drei Platzierungen mehr, sondern zwei Kategorien. In Kategorie I werden (arrivierte) Hochschullehrerinnen und -lehrer ausgezeichnet, hauptberufliche und außerplanmäßige Professorinnen und Professoren sowie Privatdozenten. Der Preis in Kategorie II ist für wissenschaftliche und künstlerische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gedacht, für Lehrkräfte mit besonderen Aufgaben sowie technisch-administrative Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Lehrverpflichtung. Beide Preisträger erhalten jeweils 15.000 Euro Preisgeld.
Nominiert werden die Kandidatinnen und Kandidaten ausschließlich durch die Studierenden der Fachbereiche. Eine eigens gebildete statusübergreifende Kommission entscheidet dann darüber, wer den Preis erhält. Ihr gehören sowohl Studierende als auch wissenschaftliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und Professorinnen und Professoren und die Geschäftsführung der Frankfurter Sparkasse an. Kriterien für die Vergabe sind: Innovation in der Lehre, besondere Qualität der Lehrveranstaltungen, außergewöhnliches Engagement bei der Betreuung der Studierenden. Auch Forschungsorientierung, Vernetzung von Theorie und Praxis, das Engagement für Studienanfänger sowie Interdisziplinarität und Berücksichtigung von Diversitätsaspekten spielen eine Rolle.
Außer den beiden Ausgezeichneten wurden folgende Lehrende 2026 von den Studierenden nominiert:
Prof. Dr. Christof Altmann – FB02 Wirtschaftswissenschaften
Prof. Dr. Dr. Michael Behringer – FB05 Psychologie & Sportwissenschaften
Martin Diz Vidal – FB 10 Neuere Philologien
Prof. Dr. Frederike Felcht – FB10 Neuere Philologien
Anne Marlene Hastenplug – FB10 Neuere Philologien
Dr. Patrick Hedfeld – FB02 Wirtschaftswissenschaften
Dr. Elodie Kalb – FB09 Sprach- und Kulturwissenschaften
Prof. Dr. Heidi Lucja Liedke – FB10 Neuere Philologien
Dr. Jana Liewald – FB14 Biochemie, Chemie und Pharmazie
Dr. Florian Mayrhofer – FB07 Katholische Theologie
Prof. Dr. Stefan Michels – FB06 Evangelische Theologie
Stéphanie D. Niepceron – FB10 Neuere Philologien
Prof. Dr. Christine Ott – FB10 Neuere Philologien
Michael Quell – FB09 Sprach- und Kulturwissenschaften
Dr. Katja Schulz – FB10 Neuere Philologien
Dr. Lukas Sparenborg – FB03 Gesellschaftswissenschaften
Prof. Dr. Volker Wenzel – FB15 Biowissenschaften
Prof. Dr. Thomas Wilhelm – FB13 Physik
Dr. Ulrike Zoch – FB09 Sprach- und Kulturwissenschaften
Bilder zum Download unter:
http://www.uni-frankfurt.de/186676040
Bildtexte:
Bild 1: Die Ausgezeichneten Prof. Maike Windbergs und Dr. Stefan Rettenmayr mit Dr. Arne Weick, Vorstandsvorsitzender der Frankfurter Sparkasse 1822 (links) und Prof. Viera Pirker, Vizepräsidentin der Goethe-Universität mit Schwerpunkt Lehre (Foto: Moritz Reich/GU)
Bild 2: Prof. Maike Windbergs und Dr. Stefan Rettenmayr mit den in diesem Jahr erstmals ausgegebenen Trophäen, die im MakeLab der Goethe-Universität von Studierenden hergestellt wurden. (Foto: Moritz Reich)