Setzen Gedanken an den Tod menschlichen Humor frei? Forscher weisen nach, dass die humorvolle Kreativität des Menschen bei Konfrontation mit Todesgedanken steigt.

02/07/2013 De Gruyter

Neueste Untersuchungen im Bereich der Humor-Forschung zeigen, dass Menschen bei unbewusster Konfrontation mit dem Tod kreativere humorvolle Cartoon-Überschriften schreiben als Menschen, die mit Schmerz konfrontiert werden. Aus Ihrem Ergebnis folgern die Wissenschaftler eine positive Wirkung von Humor bei der Bewältigung lähmender Angst.

Ohne Humor ist ein menschliches Leben nicht denkbar. Er durchzieht das gesamte Dasein, vom Alltagsgespräch bis zur Fernsehserie. Dennoch sind die komplexen sozialen und psychologischen Funktionen von Humor bislang wenig erforscht. Genauso präsent wie der Humor ist dem Menschen das Wissen um seine Endlichkeit. Die „Terror Management Theorie“ besagt, dass ein Bewusstwerden der eigenen Sterblichkeit eine lähmende Angst verursacht, die der Mensch durch zwei Bewältigungsmechanismen, sogenannte „kulturelle Angstpuffer“, unter Kontrolle bringt: durch den Selbstwert und die Weltanschauung.

Ein soeben erschienener Beitrag von Christopher R. Long, Ouachita Baptist University, und Dara Greenwood, Vassar College, über „Joking in the Face of Death: A Terror Management Approach to Humor Production“ in der Zeitschrift HUMOR dokumentiert deren Untersuchung zur Frage, ob aktivierte Gedanken an den Tod einen Einfluss auf die Fähigkeit zu kreativem Humor nehmen können. Da Humor grundsätzlich nützlich ist, auch als psychologische Abwehr gegen Angst, formulierten sie die These, dass ein aktiviertes Denken an den Tod die Hervorbringung von Humor erleichtert.

Für ihre Studie teilten Long und Greenwood 117 Studierende in vier verschiedene Versuchsgruppen ein und konfrontierten diese bei unterschiedlichen Aufgabenstellungen mit den Themen Tod und Schmerz: Zwei Testgruppen blendeten sie, während die Teilnehmer ihre Aufgaben am Computer lösten, unterbewusst für 33 Millisekunden einerseits das Wort Schmerz, andererseits das Wort Tod ein. Von zwei weiteren Gruppen wurde eine Schreibarbeit angefordert, die entweder Emotionen im Angesicht des eigenen Sterbens oder bei Zahnschmerzen ausdrücken sollten. Anschließend mussten alle vier Gruppen einen Ausfülltest absolvieren und als Abschlussaufgabe eine Unterzeile für einen Cartoon in „The New Yorker“ verfassen.

Diese Cartoon-Unterzeilen wurden einer unabhängigen Jury vorgelegt, die nichts über den Versuch wusste. Im Ergebnis votierte die Jury eindeutig die Unterzeilen der Gruppe für lustiger, die unterbewusst am Computer mit dem Wort Tod stimuliert wurde. Wohingegen bei der Gruppe, die bewusst zum Thema Tod schreiben musste, das Ergebnis genau umgekehrt war: deren Unterzeilen wurde für humorloser erachtet.

Aus diesem Versuch schlussfolgern die beiden Wissenschaftler, dass Humor hilfreich ist, um vorhandende, aber nicht ständig präsente Ängste zu tolerieren, die sonst destabilisierend sein könnten. Sie schließen darin an Untersuchungen an, die Humor als integralen Bestandteil der Resilienz ansehen.

Da in der Kontrastgruppe jedoch der gegenteilige Effekt festgestellt wurde, also bei bewusster Aktivierung von Gedanken an den Tod die Fähigkeit zu kreativem Humor sank, empfehlen Long und Greenwood weitere Untersuchungen. Auch deshalb, um die Effizienz von Humor als Bewältigungstechnik unter verschiedenen Konditionen zu erfassen sowie dessen emotionale, kognitiven und/oder sozialen Vorteile bei widrigen Umständen zu erkennen.

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Full bibliographic information


Christopher R. Long, Dara N. Greenwood, Joking in the face of death: A terror management approach to humor production, Humor. Volume 0, Issue 0, Pages 1–17, ISSN (Online) 1613-3722, ISSN (Print) 0933-1719, DOI: 10.1515/humor-2013-0012, June 2013, International Journal of Humor Research, Editor-in-Chief: Kuipers, Giselinde, ISSN: 1613-3722, 4 Issues per year
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