Goethe Science Diplomacy Award erstmals verliehen // Auszeichnung für herausragendes Engagement für Wissenschaftsfreiheit und internationale Verständigung geht an Kulturanthropologin und Folkloristin Prof. Hande Birkalan-Gedik und Tropenforscher Dr. Ulrich Kuch
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Goethe Science Diplomacy Award erstmals verliehen // Auszeichnung für herausragendes Engagement für Wissenschaftsfreiheit und internationale Verständigung geht an Kulturanthropologin und Folkloristin Prof. Hande Birkalan-Gedik und Tropenforscher Dr. Ulrich Kuch


FRANKFURT. Wissenschaftliche Kooperationen sind längst mehr als der Austausch von Wissen. Sie schaffen Verbindungen zwischen Menschen, Institutionen und Gesellschaften – oft auch dort, wo politische Spannungen, Konflikte oder Krisen den Dialog erschweren. Der Goethe Science Diplomacy Award zeichnet Forschende aus, die sich in besonderer Weise für diese Form der internationalen Verständigung einsetzen. Er ergänzt damit bestehende Initiativen der Goethe-Universität zur Förderung von Wissenschaftsfreiheit und internationaler Solidarität, darunter das Engagement im Scholars-at-Risk-Netzwerk sowie Unterstützungsangebote für gefährdete Forschende, Promovierende und Studierende. Bei der ersten Preisvergabe wurden gleich zwei Wissenschaftler*innen der Goethe-Universität ausgezeichnet: die Kulturanthropologin und Folkloristin Prof. Dr. Hande Birkalan-Gedik und der Biologe Dr. Ulrich Kuch.

Ermöglicht wird der Award durch die Unterstützung der Stiftung Giersch sowie des ehemaligen Universitätspräsidenten Prof. Klaus Ring. Dank der zwei Förderer konnte die Stiftung dieses Jahr insgesamt 4.000 Euro an zwei Persönlichkeiten vergeben.

„Fachlich stammen die Preisträger*innen aus ganz unterschiedlichen Disziplinen. Neben ihrer wissenschaftlichen Exzellenz verbindet sie jedoch ihr außergewöhnliches gesellschaftliches Engagement im Sinne einer gelebten internationalen Zusammenarbeit. Beide verkörpern damit in besonderer Weise den Geist dieser Auszeichnung“, betonte Dr. Johannes Müller, Leiter des Global Office, bei der Preisverleihung. Prof. Jürgen Bereiter-Hahn, Vorsitzender der Stiftung, hob die besondere Idee des Preises hervor: „Während wissenschaftliche Forschung üblicherweise darauf abzielt, ihren Untersuchungsgegenstand unbeeinflusst zu beobachten, rückt diese Auszeichnung eine andere Dimension in den Mittelpunkt: das Engagement, Erkenntnisse in gesellschaftliches Handeln zu übersetzen und dadurch das eigene Umfeld nachhaltig mitzugestalten.“

Prof. Dr. Hande Birkalan-Gedik: Wissenschaftsfreiheit und Dialog über Grenzen hinweg
Prof. Dr. Hande Birkalan-Gedik, Kulturanthropologin und Folkloristin, Research Fellow am Institut für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, wurde mit dem Goethe Science Diplomacy Award ausgezeichnet – für eine wissenschaftliche Laufbahn, die Forschung, internationale Vernetzung und den Einsatz für Wissenschaftsfreiheit von Anfang an als untrennbar betrachtet hat.

In ihrer Laudatio betonte Dr. Katharina Graf, dass Wissenschaftsfreiheit für Birkalan-Gedik nicht nur Forschungsgegenstand, sondern gelebte Praxis sei: eine Brücke zwischen Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Mit Stationen in den USA, der Türkei und Europa hat sie nachhaltige Netzwerke in politisch sensiblen Forschungskontexten aufgebaut. Als Mitglied des Executive Board der Société Internationale d´Ethnologie et de Folklore (SIEF) vertritt sie die Goethe-Universität in einer der bedeutendsten internationalen Fachgesellschaften. Als Mitherausgeberin des von der Georg und Franziska Speyer'schen Hochschulstiftung und der Goethe-Universität geförderten Sammelbandes Fabric of Anthropological Knowledge (2025) hat sie bislang wenig gehörte Perspektiven in den Fachdiskurs gebracht.

An der Goethe-Universität fördert Birkalan-Gedik durch Konferenzen, Workshops und gemeinsame Forschungsprojekte den interkulturellen Dialog zu Themen wie Demokratisierung, Migration und Religion – mit besonderem Fokus zur Situation der Aleviten in Deutschland. Darüber hinaus begleitet sie internationale Forschende als Mentorin, initiiert neue wissenschaftliche Kooperationen und schafft nachhaltige Formate des Austauschs mit Partner*innen in herausfordernden akademischen Umfeldern. Als assoziiertes Mitglied des Cornelia Goethe Centrums stärkt sie feministische Wissenschaftsperspektiven institutionell.

„Hande Birkalan-Gediks wissenschaftliches und gesellschaftliches Engagement verbindet Forschung mit aktuellen Fragen des Zusammenlebens, der Flucht und des interreligiösen Dialogs und macht sie zu einer herausragenden Botschafterin für internationale Verständigung und akademische Solidarität“, schloss Graf ihre Laudatio.

Dr. Ulrich Kuch: Wissenschaft als Brücke in Krisenregionen
Dr. Ulrich Kuch vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Goethe-Universität wurde für sein langjähriges internationales Engagement in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Kapazitätsaufbau und Wissenschaftskooperation ausgezeichnet. Schon als Kind von Schlangen fasziniert, trat er bereits als Zwölfjähriger der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde bei und widmete sich der Erforschung dieser Tiere und ihrer Gifte – der Beginn einer wissenschaftlichen Laufbahn, die ihn später in einige der entlegensten Regionen der Welt führen sollte.

„Bei aller Leidenschaft für Reptilien hat er dabei nie den Menschen aus dem Blick verloren“, sagte Johannes Müller in seiner Laudatio. Heute verbindet Kuch wissenschaftliche Expertise mit außergewöhnlichem internationalem Engagement. In Afrika, Südamerika sowie Süd- und Südostasien unterstützt er den Aufbau medizinischer Kompetenzen beim global vernachlässigten Thema Schlangenbiss-Vergiftungen, fördert den fachlichen Austausch über Grenzen hinweg und begleitet Forschende sowie Gesundheitsfachkräfte in herausfordernden politischen und humanitären Kontexten. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt dabei auf gefährdeten Wissenschaftler*innen, denen er Zugänge zu Weiterbildung, Vernetzung und akademischer Zusammenarbeit verschafft.

Seit dem Militärputsch von 2021 und dem nachfolgenden Krieg in Myanmar hat sich Kuch dort besonders für die medizinische Versorgung von Menschen in Konfliktregionen eingesetzt, gefährdete Wissenschaftler*innen unterstützt, und auch Minister*innen der demokratischen Interimsregierung Myanmars (National Unity Government) auf diplomatischen Missionen in Europea begleitet. Müller würdigte auch Kuchs Beitrag zur Partnerschaft zwischen der Goethe-Universität und der Kachin State Comprehensive University. Die nach dem Putsch durch von der Militärjunta verfolgte Akademiker*innen gegründete Hochschule im befreiten Norden Myanmars eröffnet Studierenden und Forschenden Bildungs- und Forschungsperspektiven unter schwierigen Bedingungen.

Der Goethe Science Diplomacy Award
Unter dem Motto „Forschung verbindet über Grenzen“ vergibt die Stiftung zur Förderung der internationalen wissenschaftlichen Beziehungen der Goethe-Universität Frankfurt seit 2026 jährlich den Goethe Science Diplomacy Award.

Der Preis würdigt beispielhafte Initiativen und Projekte, die internationale Zusammenarbeit fördern, Wissenschaftsfreiheit stärken und globale Verständigung ermöglichen. Dazu zählen unter anderem internationale Forschungskooperationen mit Partnerinstitutionen in herausfordernden oder von Krisen betroffenen Regionen, das Engagement für gefährdete Forschende, innovative Formen internationaler Zusammenarbeit in Forschung und Lehre sowie außergewöhnliche internationale Konferenzen und Austauschformate.

Nominiert werden können Wissenschaftler*innen der Goethe-Universität. Vorschlagsberechtigt sind alle Universitätsangehörigen sowie – im Rahmen größerer Forschungsverbünde – auch beteiligte Partnerinstitutionen. Über die Vergabe entscheidet eine unabhängige Jury aus Mitgliedern des Stiftungsrates, des Präsidiums und des Global Office.
Angehängte Dokumente
  • Die Gewinner*innen des ersten Goethe Science Diplomacy Award Dr. Ulrich Kuch und Prof. Dr. Hande Birkalan-Gedik gemeinsam mit Prof. Jürgen Bereiter-Hahn und Dr. Johannes Müller. (v.l.n.r.: Dr. Ulrich Kuch, Prof. Jürgen Bereiter-Hahn, Prof. Hande Birkalan-Gedik, Dr. Johannes Müller) (Foto: Jürgen Lecher / Goethe-Universität)
Regions: Europe, Germany, Asia, Myanmar, North America, United States
Keywords: Business, Universities & research, Health, Medical, People in health research, Humanities, People in the humanities, Society, Public Dialogue - society

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