Bismutatome geschickt gruppiert: Schwerster aromatischer Metallatom-Dreiring hergestellt
en-GBde-DEes-ESfr-FR

Bismutatome geschickt gruppiert: Schwerster aromatischer Metallatom-Dreiring hergestellt


Ein ungewöhnliches aromatisches Molekül haben Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gemeinsam mit einem internationalen Team erzeugt. Es besteht aus drei Metallatomen und ist das schwerste seiner Art: Ein Ring aus drei Bismut-Atomen wird zwischen zwei großen Metallatomen in einem inversen Sandwichkomplex gehalten. Anhand dieser Entdeckung lässt sich Aromatizität in schweren Elementen besser verstehen. Zudem eröffnet die Studie neue Möglichkeiten für funktionale Materialien. Ergebnisse in Nature Chemistry. (DOI: 10.1038/s41557-026-02123-8)


Aromatische Moleküle zeichnen sich durch ihre Ringform und ihre spezielle Bindungsstruktur aus, in der Elektronen frei im Ring beweglich sind. Die durch diese Ringströme bedingte erhöhte Stabilität macht Aromaten für verschiedene Anwendungen interessant. „Lange waren aromatische Moleküle nur in der organischen Chemie bekannt, das heißt als ringförmige Kohlenstoffverbindungen. Der bekannteste Aromat ist Benzol, ein Bestandteil von Benzin und ein wichtiger Grundbaustein für Kunststoffe“, sagt Professorin Stefanie Dehnen, Direktorin des Instituts für Nanotechnologie (INT) des KIT und Leiterin der dort angesiedelten Forschungsgruppe Cluster-Based Materials. „Aromatische Moleküle kommen aber auch mit anderen Nichtmetallatomen oder als metallorganische Verbindungen vor. Seit wenigen Jahren gelingt es zudem, Aromaten ausschließlich aus Metallatomen zu synthetisieren.“


Ein Durchbruch auf dem Gebiet der All-Metall-Aromatizität ist ihrer Forschungsgruppe am KIT nun gemeinsam mit Kooperationspartnern der University of Manchester sowie mehreren Forschungseinrichtungen in China gelungen: Dem internationalen Team gelang es, den bislang schwersten aromatischen Dreiring aus Bismut-Atomen stabil in ein komplexes Molekül zu integrieren.


Bismutring weist stabilisierende Ringströme auf

Die Forschenden fingen einen Ring aus drei Atomen des Schwermetalls Bismut zwischen zwei Schwermetallatomen – Uran oder Thorium – in einem sogenannten inversen Sandwichkomplex ein. Mithilfe von Röntgenkristallographie ließen sich Form und Symmetrie des Drei-Atom-Rings bestätigen. Messungen der magnetischen Eigenschaften, Spektroskopie und theoretische Studien zeigten, dass der Bismutring magnetisch induzierte, stabilisierende Ringströme aufweist. Die Studie liefert damit wegweisende neue Erkenntnisse zur Aromatizität jenseits der organischen Chemie und zeigt, dass aromatische Metallatom-Dreiringe in ungewöhnlichen Clustern aus Schwermetallatomen auftreten können.


Entdeckung könnte zukünftig neue funktionale Materialien ermöglichen

Die Forschenden um Dehnen am INT und Professor Florian Weigend, Leiter der Forschungsgruppe Quanten-Molekülsysteme am Institut für QuantenMaterialien und Technologien (IQMT) des KIT, arbeiten seit mehreren Jahren auf dem Gebiet der All-Metall-Aromatizität zusammen. Partner sind dabei die Forschenden um Professor Stephen T. Liddle von der University of Manchester. Für die aktuelle Studie lieferte die Forschungsgruppe von Dehnen bismuthaltige Chemikalien, das Team von Weigend steuerte quantenchemische Rechnungen zu den Bindungsverhältnissen und den Ringströmen bei. „Unsere Arbeit schlägt eine Brücke zwischen der organischen Chemie und der Chemie metallischer Halbleiter“, sagt Dehnen. „Sie trägt zum Verständnis von Aromatizität in Schwermetallclustern bei und könnte zukünftig neue funktionale Materialien ermöglichen, beispielsweise intermetallische Verbindungen, nanoskalige Halbleiterbauteile oder Katalysatoren.“


Die Studie hängt eng mit dem vom KIT und der Universität Heidelberg getragenen Projekt HEiKA STAR – DEUsAroMet (steht für: All-Metal Aromaticity: Definition, Evidence, Use) zusammen. In interdisziplinärer Zusammenarbeit untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rein metallische Verbindungen mit aromatischen Eigenschaften. Ziel ist, theoretische und experimentelle Grundlagen zu schaffen und mögliche Anwendungen in Nanotechnologie, Energietechnologie oder Quantencomputing zu erforschen.


Originalpublikation

Junru Ding, John A. Seed, Katrin Beuthert, Benjamin Peerless, Julia Rienmüller, Andreas Schmidt, Ashley J. Wooles, Louise S. Natrajan, Chuan-Ling Chen, Zhong-Ming Sun, Florian Weigend, Stefanie Dehnen, Jingzhen Du & Stephen T. Liddle: All-metal aromaticity of cyclo-Bi33− in diuranium and dithorium inverse-sandwich-type complexes. Nature Chemistry, 2026. DOI: 10.1038/s41557-026-02123-8


Informationen zum Projekt HEiKA STAR – DEUsAroMet


Im Dialog mit der Gesellschaft entwickelt das KIT Lösungen für große Herausforderungen – von Klimawandel, Energiewende und nachhaltigem Umgang mit natürlichen Ressourcen bis hin zu Künstlicher Intelligenz, technologischer Souveränität und demografischem Wandel. Als Die Universität in der Helmholtz-Gemeinschaft vereint das KIT wissenschaftliche Exzellenz vom Erkenntnisgewinn bis zur Anwendungsorientierung unter einem Dach – und ist damit in einer einzigartigen Position, diese Transformation voranzutreiben. Damit bietet das KIT als Exzellenzuniversität seinen mehr als 10 000 Mitarbeitenden sowie seinen 22 800 Studierenden herausragende Möglichkeiten, eine nachhaltige und resiliente Zukunft zu gestalten. KIT – Science for Impact.

Junru Ding, John A. Seed, Katrin Beuthert, Benjamin Peerless, Julia Rienmüller, Andreas Schmidt, Ashley J. Wooles, Louise S. Natrajan, Chuan-Ling Chen, Zhong-Ming Sun, Florian Weigend, Stefanie Dehnen, Jingzhen Du & Stephen T. Liddle: All-metal aromaticity of cyclo-Bi33− in diuranium and dithorium inverse-sandwich-type complexes. Nature Chemistry, 2026. DOI: 10.1038/s41557-026-02123-8
Angehängte Dokumente
  • Aromatisches Molekül aus Schwermetallen: Zu erkennen sind die drei Bismut-Atome (lila) zwischen zwei Uranium-Atomen (grün) in einem inversen Sandwichkomplex. (Stephen T. Liddle/University of Manchester)
Regions: Asia, China, Extraterrestrial, Sun, Europe, United Kingdom, Germany, North America, United States
Keywords: Science, Chemistry

Disclaimer: AlphaGalileo is not responsible for the accuracy of content posted to AlphaGalileo by contributing institutions or for the use of any information through the AlphaGalileo system.

Referenzen

We have used AlphaGalileo since its foundation but frankly we need it more than ever now to ensure our research news is heard across Europe, Asia and North America. As one of the UK’s leading research universities we want to continue to work with other outstanding researchers in Europe. AlphaGalileo helps us to continue to bring our research story to them and the rest of the world.
Peter Dunn, Director of Press and Media Relations at the University of Warwick
AlphaGalileo has helped us more than double our reach at SciDev.Net. The service has enabled our journalists around the world to reach the mainstream media with articles about the impact of science on people in low- and middle-income countries, leading to big increases in the number of SciDev.Net articles that have been republished.
Ben Deighton, SciDevNet
AlphaGalileo is a great source of global research news. I use it regularly.
Robert Lee Hotz, LA Times

Wir arbeiten eng zusammen mit...


  • The Research Council of Norway
  • SciDevNet
  • Swiss National Science Foundation
  • iesResearch
Copyright 2026 by DNN Corp Terms Of Use Privacy Statement