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Der Illgraben im Kanton Wallis ist einzigartig in der Schweiz: Mehrmals pro Jahr gehen hier Murgänge nieder – so oft, wie nur an wenigen Orten in Europa. Tonnenschwere Felsbrocken und bis zu 4000 Lastwagenladungen Geschiebe können dabei ins Tal donnern. Für die Forschung ist das ein Glücksfall, weil der Wildbach die seltene Gelegenheit bietet, Murgänge systematisch zu beobachten und zu analysieren. Nun gelang es WSL-Forschenden hier erstmals, Murgänge von Anfang bis Ende aufzuzeichnen und dabei ihre Entwicklung über längere Distanzen zu verfolgen.
Messstationen für Murgänge sind aufwendig zu installieren und teuer. Im Normalfall gibt es deshalb nur punktuelle Messdaten des Phänomens. Um die Wellenentwicklung besser zu verstehen, brauchen die Forschenden aber Messungen entlang eines ganzen Murganges. Deswegen hat die WSL in einem neuen Ansatz auf einer Länge von zwei Kilometern Geofone entlang des Bachbetts des Illgrabens installiert. Das sind kleine Messgeräte, die Bodenerschütterungen aufzeichnen können. Weil unterschiedlich grosse Wellen und Gesteinsblöcke jeweils unterschiedlich starke Erschütterungen verursachen, können die Forschenden anhand der Geofon-Daten rekonstruieren, wie sich die Murgänge talwärts bewegen.
Damit lässt sich erstmals die Wellenbildung im Murgang nachvollziehen: Die Wellen beginnen klein und türmen sich immer grösser auf, je weiter sie ins Tal hinabfliessen. Die Messungen zeigten ausserdem zum ersten Mal, dass die Region des Murgangs, in der die Wellen entstehen, nicht stationär ist, sondern dass sie sich ebenfalls talwärts bewegt, erklärt Wetter. Die Wellen werden auch nicht kleiner, wenn sie eine Wildbachsperre passieren. Diese seien auch nicht dazu da, die schlammigen Fluten abzuschwächen, sondern dazu, sie in eine bestimmte Richtung zu lenken und das Bachbett zu stabilisieren. Wie genau die Wellen sie passieren, war bisher aber noch unklar.
Grund zur Sorge sei das allerdings nicht, erklärt der Forscher, – zumindest am Illgraben. Dort schützt die bestehende Infrastruktur die angrenzende Gemeinde gut. Wichtig sei diese Erkenntnis aber für Orte, an denen unmittelbar neben einem murgangführenden Wildbach ungeschützte Häuser stehen. Die Forschung der WSL am Illgraben trägt somit nicht nur dazu dabei, Murgänge und ihre Entwicklung besser zu verstehen, sie zeigt auch auf, wie Gemeinden schützende Infrastruktur optimal planen können.
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