Studie mit Heidelberger Mitwirkung: Staaten mit vielen und strikteren Maßnahmen mindern ihre Emissionen am effektivsten
Globale Anstrengungen gegen den Klimawandel in den vergangenen zwei Jahrzehnten haben dazu beigetragen, CO2-Emissionen in einem erheblichen Umfang zu reduzieren. Das zeigt eine neue Studie, die Wissenschaftler aus Deutschland und Großbritannien federführend durchgeführt haben. Die Forscherinnen und Forscher haben dabei untersucht, welche klimapolitischen Ansätze besonders effektiv waren. Eine ambitionierte staatliche Klimapolitik, charakterisiert durch eine höhere Anzahl sowie striktere Klimaschutzmaßnahmen, führte in der Regel zu einer Emissionsminderung. Besonders erfolgreich waren zudem Staaten, die ihre Maßnahmen zielgerichtet auf die größten Emissionsquellen ausgerichtet haben, so die Experten der Universität Heidelberg, die maßgeblich an der Untersuchung mitgewirkt haben.
Die Forschungsergebnisse beruhen auf einer statistischen Analyse eines umfassenden Datensatzes zu Klimaschutzmaßnahmen, die in den 43 weltweit größten und für weit über drei Viertel der weltweiten Emissionen verantwortlichen Volkswirtschaften zwischen 2000 und 2022 ergriffen wurden. Begleitet wurde diese Analyse von Fallstudien für Brasilien, China, Estland, Großbritannien, Indonesien, Israel, Mexiko und die USA, die überwiegend am Institut für Politische Wissenschaft der Universität Heidelberg erstellt wurden. Welche konkrete Wirkung die globalen Anstrengungen gegen den Klimawandel entfalten, zeigen die Berechnungen des internationalen Wissenschaftlerteams. Danach konnten durch die bestehenden Klimaschutzmaßnahmen allein im Jahr 2022 drei Milliarden Tonnen CO2 eingespart werden. Das entspricht nach Angaben der Forscherinnen und Forscher in etwa den jährlichen Emissionen der gesamten Europäischen Union.
Das Team an der Universität Heidelberg hat unter der Leitung der Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Jale Tosun im Rahmen der Studie untersucht, welche konkreten Politikinstrumente – das heißt ökonomische, regulative oder auf Freiwilligkeit beruhende Maßnahmen – in einzelnen Staaten angewendet wurden. „Dabei sind wir der Frage nachgegangen, ob eher breite oder besonders spezialisierte Ansätze bei der Reduzierung von Emissionen erfolgreicher waren“, erläutert Dr. Simon Bulian, akademischer Mitarbeiter im Team von Prof. Tosun. Die Ergebnisse zeigen: Insbesondere Staaten, die sich auf einen ökonomischen – zum Beispiel Estland – oder einen regulativen – zum Beispiel Israel – Ansatz spezialisiert haben, konnten ihre Emissionen effektiver senken als Staaten ohne eine solche Spezialisierung. Ein entscheidender Faktor war außerdem die Ausrichtung auf die größten Quellen des CO2-Ausstoßes, in den meisten Fällen Energieerzeugung und Verkehr.
Unabhängig von einer Fokussierung bei den Klimaschutzmaßnahmen erwiesen sich ökonomische Instrumente als besonders effektiv für die Emissionsminderung, beispielsweise eine CO2-Steuer oder Subventionen für Erneuerbare Energien, wie Dr. Bulian erläutert. Nach Angaben des Wissenschaftlers weisen die Ergebnisse der Studie außerdem auf einen positiven Einfluss internationaler Kooperationen hin. Klimaschutzmaßnahmen waren in den Staaten wirksamer, die sich infolge von weltweiten Klimakonferenzen gesetzlich verankerte, langfristig angelegte Klimaziele gesetzt und damit eine striktere Klimapolitik verfolgt haben. Auch der Austausch in internationalen Organisationen wie der Internationalen Energieagentur oder dem Clean Energy Ministerial hat zu einer größeren Effektivität der Klimapolitik geführt.
„Die Zahl staatlicher Instrumente für den Klimaschutz wächst – und sie wirken, trotz zunehmender politischer Debatten um ihre Notwendigkeit und Wirksamkeit. Allerdings bleiben die Emissionen weiter viel zu hoch, um den Klimawandel zu stoppen oder zumindest zu verlangsamen“, betont Prof. Tosun. „Die Herausforderung für die Zukunft wird es sein, die Politikinstrumente noch zielgerichteter und stringenter als bisher einzusetzen.“ An der Studie beteiligt waren Forscherinnen und Forscher der Cardiff University, der University of Oxford, der University of East Anglia und der London School of Economics and Political Science, der Universität Heidelberg und des International Institute for Applied Systems Analysis in Österreich. Gefördert wurden die Arbeiten maßgeblich von der Europäischen Union, dem Economic and Social Research Council in Großbritannien und dem japanischen Ministerium für Wirtschaft, Handel, und Industrie. Die Forschungsergebnisse sind in „Nature Communications“ erschienen.
Regions: Europe, Germany, Estonia, United Kingdom, Latin America, Brazil, Mexico, Asia, China, Indonesia, Middle East, Israel, North America, United States
Keywords: Science, Climate change, Science Policy, Environment - science, Society, Politics