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Event

Göttinger Freilandtage: Was macht soziale Komplexität aus?

12 December 2017 — 15 December 2017 German Primate Center

Ob Fischschwarm, Bienenstaat oder das Gruppenleben vieler Primaten – Tiere leben in unterschiedlichen sozialen Systemen zusammen, die mehr oder weniger komplex aufgebaut sind. Welche Faktoren diese Komplexität bestimmen und wie man diese über alle Tierarten hinweg einheitlich erfassen kann, ist selbst unter Experten noch nicht eindeutig geklärt. Was ist soziale Komplexität und wodurch zeichnen sich vielschichtige Tiergesellschaften aus? Diese und weitere Fragen diskutieren 16 internationale Experten mit rund 150 Verhaltensforschern aus verschiedenen Ländern, die im Rahmen der 11. Göttinger Freilandtage vom 12. bis zum 15. Dezember 2017 am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) – Leibniz-Institut für Primatenforschung zu Gast sind. Ziel der Tagung ist es, führende Experten zusammenzubringen, die unterschiedliche Tierarten hinsichtlich ihrer Sozialsysteme erforschen. Aus dieser vergleichenden Perspektive sollen allgemeine Zusammenhänge und zukünftige Forschungsrichtungen erarbeitet werden. Am ersten Abend um 18:30 Uhr findet ein öffentlicher Vortrag in englischer Sprache im Hörsaal des Deutschen Primatenzentrums, Kellnerweg 4, in Göttingen statt. Dustin Rubenstein, Professor für Ökologie, Evolution und Umweltbiologie an der Columbia University in New York City, spricht über Strukturen komplexer Tiergesellschaften und deren evolutionäre Entwicklung.

„Der Ausdruck ‚soziale Komplexität‘ wird in den Verhaltenswissenschaften unterschiedlich diskutiert“, sagt Peter Kappeler, Leiter der Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie am DPZ und Organisator der Tagung. „Während Insektenforscher den durchorganisierten Bienenstaat als höchste Komplexitätsstufe ansehen, schreiben Wirbeltierexperten dies eher den Primaten mit ihren vielschichtigen und flexiblen sozialen Beziehungen zu. Bislang sind aber kaum Variablen bekannt, mit denen soziale Komplexität erfasst und artenübergreifend verglichen werden kann. Diese Themen wollen wir im Rahmen der Tagung interdisziplinär diskutieren.“

An jedem der Veranstaltungstage wird ein anderer Schwerpunkt gesetzt. Während es am zweiten Tag (13.12.2017) hauptsächlich um spezifische Muster sozialer Komplexität in verschiedenen Tiergruppen geht, drehen sich die Vorträge am dritten Konferenztag (14.12.2017) vor allem um die Frage, wie Komplexität entsteht. Ein Schwerpunkt wird dabei unter anderem die Kommunikation in tierischen Gesellschaften sein. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob Tiere in größeren und damit komplexeren Gruppen mehr kommunizieren, oder ob diese Interaktionen schon Teil jener Komplexität sind. Am letzten Tag (15.12.2017) konzentrieren sich die Beiträge auf die evolutionäre Entwicklung von Komplexität. Anhand von Stammbaumanalysen soll beispielsweise diskutiert werden, ob die Evolution von einzeln lebenden Tieren über die Paarbindung bis hin zu großen komplexen Gruppen erfolgte oder ob Paarbeziehungen erst später aus größeren Gruppen entstanden sind. Ein weiterer Fokus richtet sich auf die anthropologische Perspektive. Hier soll die Entwicklung menschlicher Gesellschaften von Jäger-und-Sammler-Gemeinschaften bis hin zur Gründung von Staaten sowie die Bedeutung von Kultur in unseren komplexen Gesellschaften diskutiert werden.

Die Göttinger Freilandtage sind ein internationaler Kongress, bei dem alle zwei Jahre eine aktuelle Frage aus den Bereichen Evolution, Ökologie und Verhalten umfassend diskutiert wird. Weltweit führende Experten der Primaten- und Verhaltensbiologie beleuchten dabei das aktuelle Thema aus verschiedenen Blickwinkeln. Die Freilandtage werden seit 1997 von Peter Kappeler organisiert, Leiter der Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie am Deutschen Primatenzentrum und Professor am Institut für Zoologie und Anthropologie der Universität Göttingen.

http://www.dpz.eu/de/aktuelles/neuigkeiten/einzelansicht/news/goettinger-freilandtage-was-macht-soziale-komplexitaet-aus-1.html

Attached files

  • Guinea-Paviane (Papio papio) an der DPZ-Freilandstation Simenti im Senegal. Diese Primatenart lebt in einem mehrschichtigen Sozialsystem. Foto: Matthias Klapproth


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