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News Release
Schutz der natürlichen Ressourcen kann für Wohlstand sorgen - TEEB-Report schlägt u.a. Investitionen in die Verbesserung des Schutzgebietssystems und die Reform der Subventionen vor
13 November 2009
Helmholtz Centre For Environmental Research - UFZ
Über 100 Wissenschaftler haben Politiker weltweit aufgefordert, die momentane Subventionspolitik zu überdenken. Subventionen für Schlüsselbereiche wie Landwirtschaft, Fischfang, Bergbau und Energie ergäben zusammen fast eine Billion US-Dollar pro Jahr, was einem Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts entspräche. Viele dieser Subventionen tragen massiv zur Zerstörung der natürlichen Ressourcen bei und vernichten damit zukünftige Nutzungsoptionen. Ferner sind viele Subventionen ineffizient, überholt oder schädlich, schreiben die Forscher im aktuellen TEEB-Report zum ökonomischen Wert der biologischen Vielfalt, der am Freitag bei der Europäischen Kommission vorgestellt wurde. Ein Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes würde nach Berechnungen des 2006 veröffentlichten Stern-Reports bereits ausreichen, um die Schäden des Klimawandels einzudämmen, die auf fünf bis zehn Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes geschätzt werden. Es mache also doppelt Sinn, schädliche Subventionen in Zeiten ökonomischer und ökologischer Krisen zu reformieren, so die Umweltökonomen im neuen TEEB-Report.
„Die Ökonomie der Ökosysteme und der Biodiversität“ (The Economics of Ecosystems and Biodiversity - TEEB) wurde 2007 ins Leben gerufen. TEEB ist eine unabhängige Studie, die vom Ökonomen Pavan Sukhdev geleitet und vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) organisiert wird. Die wissenschaftliche Koordination erfolgt am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Finanziert wird die Studie von der Europäischen Kommission, Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden sowie neuerdings auch von Norwegen und Schweden.
Der erste Endbericht der TEEB-Studie wendet sich an die nationale und internationale Politik. Für den Schutz der biologischen Ressourcen sehen die Wissenschaftler vier Hauptprobleme: Die Abholzung der Wälder müsse gestoppt werden, da sie wesentlich zum Klimawandel beitrage. Die tropischen Korallenriffe müssten geschützt werden, da sie die Lebensgrundlage einer halben Milliarde Menschen seien. Die Fischbestände der Weltmeere müssen geschützt und besser gemanagt werden, da sonst der Kollaps des Fischfangs auf den Weltmeeren akut hunderttausende Arbeitsplätze bedrohe und heute bereits zu Einnahmeverlusten von jährlich bis zu 50 Milliarden US-Dollar führt, verglichen mit einem nachhaltigeren Management der Bestände. Und schließlich müssten sich Politiker weltweit bewusst werden, dass der Niedergang der Ökosysteme ein wesentlicher Grund für die anhaltende Armut der Landbevölkerung in den Entwicklungsländern sei.
Zur Lösung dieser drängenden Probleme schlagen die Wissenschaftler vor, finanzielle Anreize für den Schutz durch Zahlungen für Ökosystemdienstleistungen zu schaffen. „Die UN-Initiative zur Vermeidung und Reduzierung der Entwaldung (REDD-Plus) könnte das erste globale System für bezahlte Ökosystemdienstleistungen werden“, so Dr. Heidi Wittmer, die das wissenschaftliche Koordinationsteam der TEEB-Studie leitet. „Eine REDD-Plus-Vereinbarung bei den aktuellen Klimaverhandlungen und ihre Etablierung ist eine einmalige Chance für einen kosteneffektiven Klimaschutz mit deutlichem Nutzen für die Umwelt.“ Allein der Verlust an tropischen Regenwäldern macht momentan etwa ein Fünftel der globalen Emissionen an Treibhausgasen aus. Die Wälder der Erde speichern insgesamt 547 Gigatonnen Kohlenstoff und können laut Schätzungen bis zu 4,8 Gigatonnen pro Jahr aufnehmen. Die Emissionen, die beim Abholzen entstehen, sind beachtlich – können aber vergleichsweise leicht vermieden werden. Wiederaufforstung ist daher ein kostengünstiger Beitrag zur Lösung des Kohlendioxidproblemes.
Die Bedeutung der Ökosystemverluste ist jedoch bei weitem nicht auf den Klimawandel beschränkt: Sie betreffen auch die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Trinkwasser sowie die Energiesicherheit – wachsende globale Probleme, die in einigen Jahren alle Länder betreffen können. Daher schlagen die Wissenschaftler um Berichtskoordinator Patrick ten Brink vom Institut für Europäische Umweltpolitik (IEEP) in Brüssel neben der Reformierung des momentanen Subventionssystems die konsequente Anwendung des Verursacherprinzips und eine deutliche Ausweitung der Schutzgebiete vor.
Die Erfahrungen mit dem Weltklimarat IPCC würden zu gemeinsamen Anstrengungen ermutigen, denn ein wirklicher Wandel der politischen Prioritäten und sozialen Einstellungen sei möglich, schreiben die Wissenschaftler. Die Aktionen zum Klimawandel hätten die Tür geöffnet für zahlreiche Maßnahmen zum Schutz des natürlichen Kapitals der Erde. Die Einrichtung eines globalen Biodiversitätsrates (Intergovermental Science-Policy Platform for Biodiversity and Ecosystem Services – IPBES) könne der Startschuss dafür sein.
„Natürliches Kapital hat das Potenzial, eine gute Investition zu sein, die die Existenzgrundlagen sichert und nachhaltigen ökonomischen Nutzen bis weit in die Zukunft verspricht“, sagt Studienleiter Pavan Sukhdev. „Wir hoffen, dass die harte Arbeit von Ökologen, Ökonomen und Politikwissenschaftlern aus der ganzen Welt, die in den letzten fünfzehn Monaten den TEEB-Report für die internationale Politik erarbeitet haben, zu einen Politikwechsel beiträgt, der zu echtem Fortschritt führt und uns erlaubt, eine Gesellschaft zu errichten, die in Frieden mit sich selbst und in Harmonie mit der Natur lebt.“
Weitere TEEB-Reports für Lokalpolitiker und Verwaltung, Unternehmer und Bürger werden in den nächsten Monaten folgen. Der erste Zwischenbericht wurde auf der COP-9, der Vertragsstaatenkonferenz zur Biodiversitätskonvention, in Bonn vorgestellt. Dabei wiesen die Forscher im Mai 2008 auf die Verbindung zwischen Armut und dem Verlust der Biodiversität hin und warnten davor, dass dadurch verschiedene Millenniumsziele nicht erreicht werden. Im September 2009 wurde ein erster thematischer Bericht vom damaligen Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und Karl Falkenberg, dem Generaldirektor der Generaldirektion Umwelt der Europäischen Union, in Berlin vorgestellt. Dessen zentrale Botschaft war, dass Investitionen in die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung von Ökosystemen eine Schlüsselrolle bei der Bekämpfung des Klimawandels und der Anpassung der Volkswirtschaften einnehmen können.
http://www.ufz.de/index.php?de=19074
Attached files
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TEEB for Policy Makers Summary: Responding to the value of nature
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Schätzungen zufolge könnte das Unterschutzstellen von 20 bis 30 Prozent der Ozeane eine Million Arbeitsplätze schaffen und Fischerträge von 70 bis 80 Milliarden US-Dollar pro Jahr sowie Ökosystemdienstleistungen im Wert von 4,5 bis 6,7 Billionen US-Dollar erbringen. Wird die Überfischung der Meere jedoch fortgesetzt, dann ist der Kollaps der Fischindustrie vorprogrammiert und damit gravierende soziale Probleme. Foto: André Künzelmann/UFZ