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News Release

Außerirdische Insekten

20 June 2012 Friedrich Schiller University Jena

Insektenforscher des Zoologischen Forschungsmuseums Alexander Koenig (Bonn) und der Universität Jena lösen das Rätsel um den Ursprung der Fächerflügler

Es war eines der größten Rätsel der systematischen Insekten­kunde: Die seltsamen Fächerflügler – in der Fachsprache Strepsiptera – ent­zogen sich trotz jahrzehntelanger Forschung hartnäckig einer taxonomischen Einordnung. „Diese Insekten sind in jeglicher Hinsicht ungewöhnlich“, betont Prof. Dr. Rolf Beutel von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Einen Teil ihrer Entwicklung durchlaufen sie als Parasiten in einem anderen Insekt, erläutert der Professor für Zoologie und Entomologie. Bei den meisten Arten verbringt das Weibchen sogar sein ganzes Leben in einem Wirtstier. Den Männchen ist dafür nur eine extrem kurze Lebenspanne von wenigen Stunden beschieden – ihre einzige Aufgabe ist es, in dieser Zeit ein Weibchen zu finden und sich fort­zupflanzen. Über ein Dutzend verschiedene Insektengruppen haben die For­scher schon als nächste Verwandte der Fächerflügler diskutiert. „Scherzhaft wurden sie auch schon einmal als ,Insects from outer space‘ bezeichnet“, so Beutel.

In einem Kooperationsprojekt mit dem Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn (Arbeitsgruppe Prof. Dr. B. Misof) haben Insekten­forscher der Uni Jena das „Strepsiptera-Problem“ jetzt endgültig gelöst und die extrem artenreichen Käfer als die am nächsten verwandte Gruppe identifiziert. Gelungen ist die Einordnung der Strepsiptera anhand einer in Tunesien ent­deckten bisher unbekannten Art, die jetzt Menge­nilla moldrzyki heißt. Eine Premiere ist, dass zeitgleich mit der Erstbeschreibung der neuen Spezies im Fachjournal „ZooKeys“ (DOI: 10.3897/zookeys.198.2334) auch das gesamte Genom entschlüsselt wurde. Damit gehört Menge­nilla moldrzyki schon jetzt zu den am genauesten erforschten und beschriebenen Insekten. Die phylogeno­mischen Ergebnisse wurden in der aktuellen Aus­gabe des Magazins „Current Biology“ publiziert.

Doch auch nach der Lösung des „Strepsiptera-Problems“ stellen die Fächer­flügler die Forscher noch vor zahlreiche offene Fragen. „Ein weiteres Ziel unseres Projekts ist die detaillierte Dokumentation aller Lebensstadien der Strepsiptera“, erläutert PD Dr. Hans Pohl von der Uni Jena. Er und seine Kollegen untersuchen derzeit die Anatomie der Primärlarven dieser Insekten, die mit durch­schnittlich 0,2 Millime­tern Gesamtlänge zu den kleinsten bekannten vielzelligen Tieren gehören. Ein­zellige Amöben werden mit rund 0,6 Millimetern drei Mal so lang. Eine weitere Aufgabe der kommenden Jahre sehen die Insektenforscher in der Erfassung der noch bei weitem nicht ausreichend erforschten Artenviel­falt dieser seltsamen Insekten. „Über 30 bislang unbekannte Arten aus exoti­schen Regionen wie den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Madagaskar warten im Phyletischen Mu­seum der Universität Jena noch auf ihre taxonomische Bearbeitung und die formale Erstbe­schrei­bung“, kündigt Prof. Beutel an.

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  • Kopf eines Männchens der neuentdeckten Fächerflügler-Art "Mengenilla moldrzyki". (Foto: Hans Pohl/FSU)


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